Hanfpapier

Geschichte

Vor etwa 2000 Jahren wurde Hanfpapier von den Chinesen erfunden. Damals galten Hanftextilien als wichtige Quellen für das Papier. In diesem Zusammenhang ereignete sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein makaberer Fall: Damals kaufte ein britischer Papierhersteller die Sträflingskleidung aus den Konzentrationslagern, soweit sie aus Hanf bestand, ein.

Bis 1883 wurden zwischen 75 bis 90 Prozent des weltweit produzierten Papiers mit Hanffasern hergestellt: Hanf war der Grundstoff von Büchern, Bibeln, Landkarten, Papiergeld, Wertpapieren und Zeitungen.

Allmählich wurde dann die Papierproduktion aus Holz immer billiger, und so wurde das Hanfpapier immer mehr vom Papier aus Holz abgelöst.

Vor- und Nachteile des Hanfpapiers

Die Meinungen über das Hanfpapier sind gespalten. Die Hanfpapierbefürworter sind überzeugt, dass man in Zukunft den Papierbedarf mit Hanfpapier decken und damit unsere Wälder retten könnte. Ausserdem sind sie der Meinung, dass Hanf die besseren Voraussetzungen für die Verarbeitung zu Papier aufweist als Holz. Leider ist ein grosser Teil ihrer Argumente unkorrekt und idealisiert, was realistische Betrachtungen auch beweisen.

Klar hat das Hanfpapier gegenüber dem aus Holz fabrizierten Papier Vorteile. Hanf ist ein jährlich nachwachsender Rohstoff . Papier aus den Bastfasern des Hanfes ist in jeder Hinsicht ein Spitzenpapier, es hat eine sehr gute Festigkeit und übertrifft die Lebenserwartungen von Papier aus Holz bei weitem.

Doch einer der gedanklichen Fehler der Hanfbefürworter liegt darin, dass sie nur die Erträge von Hanf und Holz miteinander vergleichen, nicht aber deren Kosten. Hanf bringt zwar die 5 bis 6-fache Ertragsleistung des Waldes, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der Hanf jährlich gesät und gedüngt werden muss, es entstehen also jährlich Kosten. Ein z. B. Buchenwald pflanzt man dagegen nur einmal alle 80 bis100 Jahre neu an und braucht praktisch keine Pflege. Darum ist das fertige Hanfpapier 3 bis 5 mal teurer als das Papier aus Holz. Abgesehen vom höheren Preis des Hanfpapiers, stellt sich auch die Frage, wo man die riesige Menge Hanf anpflanzen will! Ausserdem ist die Hanfpapierproduktion genau so aufwendig wie bei der Holzpapierproduktion.

Wegen diesen Nachteilen wird das Hanfpapier das Papier aus Holz wohl nicht ersetzen, denn dort wo Papier aus Holz es auch tut wird man sich sicher für die billigere Variante entscheiden.

Selber aus Hanf Papier schöpfen

Hanfpapier kann man selber zu Hause herstellen, dazu braucht man nur etwas Zeit und die notwendigen Materialien:

* Der Schöpfrahmen besteht aus zwei Holzrahmen à ca. 20 x 25 cm, wovon einer mit einem Fliegengitter bespannt ist.

Vorbereitungen:

  1. Stengel ca. 2 bis 3 Wochen in Wasser einlegen, gelegentlich Wasser wechseln
  2. Schöpfrahmen basteln
  3. Langfasern von Holzkern trennen
  4. Langfasern in ca. 1 bis 2 cm lange Stücke zerschneiden
  5. Zerkleinerte Fasern ca. 5 Stunden im Dampfkochtopf kochen ( Die Hälfte der Masse mit Wasser bedecken )
  6. Masse auskühlen und mixen
  7. Schwamm, Haushaltstücher oder Filze, Presse und Zeitungspapier bereitstellen
Schöpfen des Hanfpapiers:
  1. Wanne ca. mit 10 cm Wasser füllen
  2. Schöpfrahmen so halten, dass sich das Gitter in der Mitte befindet und der mit dem Gitter gespannte Rahmen unten ist
  3. Schöpfrahmen ins Wasser halten
  4. Ca. eine Suppenkelle mit Masse auf den Schöpfrahmen geben und verteilen
  5. Schöpfrahmen im Wasser schwenken, so dass sich die Masse gleichmässig verteilt
  6. Schöpfrahmen waagrecht aus dem Wasser heben und den oberen Rahmen entfernen
  7. Papierbogen vorsichtig auf ein Haushaltstuch oder Filz stürzen
  8. Weiteres überschüssiges Wasser mit einem Schwamm entfernen, indem man diesen mit sanftem Druck über das Fliegengitter streift
  9. Papier vom Schöpfrahmen lösen und mit einem weiteren Haushaltstuch oder Filz bedecken
  10. Mit einigen Bögen Zeitungspapier bedecken
  11. Mit den nächsten Papierbögen ebenso verfahren, bis ein Stapel entstanden ist
  12. Den Papierstapel mit Steinen oder einem anderen Gewicht beschweren, so dass es eine Art Presse ergibt
  13. Trocknen lassen und gelegentlich Zeitungen wechseln
  14. Wenn es einigermassen trocken ist, Papier herausnehmen aber keinesfalls in der Sonne trocknen lassen, da es dann schrumpft bzw. unregelmässig wird

Viel Erfolg!