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Universität Konstanz - Wintersemester 1997/98

Hauptseminar: Prof. Dr. B. Wunder - Die Märzrevolution von 1848

Hausarbeit

Die Pfälzer Abgeordneten

der Nationalversammlung

1848/49

von Christian Hess

Inhaltsverzeichnis

Vorwort .................................................................................................................. 3
Die Pfälzer Nationalversammlungsabgeordneten ...................................................... 4
- Adolf Berkmann ................................................................................................... 4
- Rudolf Christmann ................................................................................................ 4
- August Culmann ................................................................................................... 5
- Maximilian Glaß ................................................................................................... 8
- Gustav Gulden ...................................................................................................... 8
- Georg Kolb ........................................................................................................... 9
- Joseph Reichard .................................................................................................... 15
- Carl Ritter ............................................................................................................. 16
- Nikolaus Schmitt .................................................................................................. 17
- Friedrich Schüler ................................................................................................... 17
- Carl Spatz ............................................................................................................. 22
- Georg Stockinger ................................................................................................. 23
- Franz Tafel ........................................................................................................... 23
- Philipp Umbscheiden ............................................................................................. 26
Die Gruppe der Pfälzer Abgeordneten ..................................................................... 28
Schlußwort ............................................................................................................. 32
Literaturverzeichnis ................................................................................................. 33
Anhang ................................................................................................................... 35

Vorwort

Diese Hausarbeit befaßt sich mit den 14 Pfälzern, die im April 1848 oder später als Ersatzkandidaten in die deutsche Nationalversammlung wurden. Es sollen ihre individuellen Lebensgeschichten und darauf aufbauend die gemeinsamen Merkmale dieser Personengruppe dargestellt werden. Die Leitfrage dieser Arbeit lautet also: Wie lassen sich die Männer politisch und sozial charakterisieren, die die Pfalz in die Paulskirche entsandte?

Der Pfalz kommt im Zusammenhang der Revolution von 1848/49 ein besonderes Interesse zu: Bereits in den Jahren seit der Besitznahme des Landes durch Bayern im Jahr 1816 zeigte sich, daß die liberale Bewegung im Land fest verankert war. Durch die Beibehaltung von Institutionen aus der Zeit der Zugehörigkeit zum französischen Staat nahm die Pfalz gegenüber dem rechtsrheinischen Bayern eine Sonderstellung ein. Freisinnige Journalisten schätzten das freiheitlichere Rechtssystem des bayerischen Rheinkreises. Liberale Abgeordneten aus der Pfalz spielten eine wichtige Rolle in der bayerischen Ständeversammlung. Höhepunkt der demokratisch-nationalen Bewegung des Vormärz in der Pfalz war zweifellos das Hambacher Fest am 27. Mai 1832, das in ganz Deutschland ein beträchtliches Echo fand. Nach der Ablehnung der Reichsverfassung durch den bayerischen König am 23. April 1849 wurde die Pfalz zum revolutionären Zentrum von Deutschland. Der badisch-pfälzische Aufstand von Mai bis Juli dieses Jahres war das letzte Aufbäumen der Revolution in Deutschland vor ihrer endgültigen Unterdrückung durch die reaktionären Mächte.

Die Hausarbeit besteht aus einem Hauptteil mit Kurzbiographien der Pfälzer Abgeordneten. Die Länge der einzelnen Artikel divergiert stark. Sie ist in erster Linie abhängig von dem durch die zugrundeliegende Literatur zur Verfügung gestellten Material. Bisweilen sind die verfügbaren Informationen sehr spärlich. Für die Abgeordneten Kolb und Culmann konnte dagegen auf jeweils ein monographisches Werk zurückgegriffen werden. Der Umfang der Informationen in der Literatur zu einer Person stand in der Regel in Relation zur ihrer politischen Bedeutung. Auf die Einzelpersonenbeschreibungen folgt ein Kapitel, in dem die Merkmale der Gruppe der Pfälzer Abgeordneten noch einmal in der Gesamtschau betrachtet wird.

Bei der Arbeit wurde vor allem auf Sekundärliteratur zurückgegriffen. Zeitgenössische Quellen zu den pfälzischen Abgeordneten sind zumeist nur schwer zugänglich. Es lag allerdings eine Band mit Erinnerungen des Abgeordneten Kolb vor. Daneben stellte die Sekundärliteratur in einigen Fällen Auszüge aus zeitgenössischen Texten zur Verfügung.

Die Pfälzer Nationalversammlungsabgeordneten

Am 30. April 1848 fand im Königreich Bayern die Wahl zur deutschen Nationalversammlung statt: In 71 Wahlbezirken wurden ebenso viele Abgeordnete durch indirekte Mehrheitswahl für das Paulskirchen-Parlament bestimmt. Die bayerische Pfalz war in 10 Wahlkreise eingeteilt. Bis zur Auflösung des Stuttgarter Rumpfparlaments im Juni 1849 entsandte das linksrheinische Bayern insgesamt - inklusive nachgerückter Ersatzmänner - 13 Abgeordnete nach Frankfurt. Ein weiterer Pfälzer, Georg Stockinger aus Frankenthal, wurde im schwäbischen Günzburg gewählt.

Folgende Männer wurden in die Nationalversammlung gewählt:

Adolf Berkmann

Adolf Berkmann wurde am 20. Mai 1802 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Waldmohr geboren. Er folgte seinem Vater im Beruf nach und studierte seit 1820 an der Universität Erlangen Theologie sowie Philosophie. Er schloß sich der dortigen Burschenschaft an. 1823 wurde er als Anstifter eines Studentenstreiches von der Universität verwiesen. Dennoch schloß Berkmann das Studium ab und wurde Ende 1831 Pfarrer im Dorf Einselthum (Kreis Kirchheimbolanden, Nordpfalz). Im folgenden Jahr nahm er am Hambacher Fest teil. 1833 wurde der Pfarrer für ein Jahr von seinem Amt suspendiert sowie unter dem Vorwurf der gegen die Obrigkeit aufreizenden Predigten und Reden angeklagt, jedoch 1834 freigesprochen. Im Jahr 1841 trat er erneut als radikaler Volksredner auf.

1848/49 war er als Mitglied der parlamentarischen Linken Abgeordneter im bayerischen Landtag. Vom 13. Juni bis zum 18. Juni 1849 vertrat er den fünften pfälzischen Wahlkreis im Stuttgarter Rumpfparlament in Nachfolge des Abgeordneten Reichard, der sich wegen seiner Beteiligung am Pfälzer Aufstand aus der Nationalversammlung zurückgezogen hatte.

Nach seiner Rückkehr in die Pfalz wurde Berkmann von der Kirchenleitung am 1. November 1849 auf drei Jahre von seinem Amt suspendiert, zwei Tage später wurde er verhaftet. Die Untersuchungen gegen ihn wurden jedoch eingestellt. 1850 wurde er endgültig als Pfarrer abgesetzt. Daraufhin wanderte Berkmann im Oktober des Jahres nach Amerika aus. Dort war er zunächst als Farmer tätig, bevor er nach New York zog, um dort wieder als Prediger zu wirken. 1866 besuchte er noch einmal Deutschland, kehrte jedoch nach Amerika zurück, wo er 1870 in New York verstarb.

Rudolf Christmann

Am 16.2.1814 wurde Rudolf Christmann in (Bad) Dürkheim geboren. Er studierte von 1832-36 an den Universitäten Würzburg und Heidelberg Rechtswissenschaft und übernahm dann das Weingut seines Vaters. Von 1843 bis 1848 wurde er als Vertreter der IV. Klasse (Städte und Märkte über 500 Familien) in die Ständeversammlung gewählt. Im März 1848 trat er in das Vorparlament ein, im April wurde er in die Nationalversammlung gewählt. Hier schloß er sich dem Deutschen Hof an. Er blieb bis zur Auflösung des Rumpfparlaments Abgeordneter. Danach zog er sich vorübergehend ins Elsaß zurück, kehrte aber nach Dürkheim zurück. 1863 wurde er als ein Abgeordneter des Wahlbezirks Speyer-Frankenthal in den Münchener Landtag gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Er starb am 20.10.1867 während einer Landtagssession in München.

August Ferdinand Culmann

August Ferdinand Culmann wurde am 1. August 1804 als jüngstes von zehn Kindern des reformierten Pfarrers Philipp Friedrich Culmann (1752-1818) und seiner Frau Juliane Henriette (1765-1829) in Bergzabern geboren.

Der Familie gehörten eine Reihe von Persönlichkeiten an, die im politischen Leben eine Rolle spielten: Augusts älterer Bruder Christian (1795-1837, Rechtsanwalt) war als Liberaler Mitglied des pfälzischen Landrats und der bayerischen Abgeordnetenkammer (1831 und 1834). Der Bruder Friedrich Jacob (1787-1849) lebte als französischer Artillerieoffizier in Straßburg und Metz; 1848 wurde er als Deputierter des Departements Bas-Rhin in die französische Nationalversammlung gewählt. Die Schwester Juliane Henriette Philippine (* 1784) war die Mutter des späteren Homburger Abgeordneten in der Paulskirche Gustav Adolph Gulden. Die Schwester Marie Amalie (*1789) brachte August Umpfelbach zur Welt, der wegen seiner Beteiligung am Pfälzer Aufstand zum Tode verurteilt wurde und nach Amerika emigrierte.

August Ferdinand Culmann studierte ab Oktober 1822 in Göttingen Rechtswissenschaften; im November 1824 immatrikulierte er sich an der Universität Würzburg. Es ist nicht bekannt, ob Culmann Mitglied einer studentischen Verbindung war. 1828 wurde er als Advokat am Bezirksgericht Kaiserslautern zugelassen, 1830 auch beim Appellationsgerichtshof in Zweibrücken. 1829 heiratete er die Zweibrücker Kaufmannstochter Emilie Fröhlich.

Am Hambacher Fest beteiligte sich Culmann offenbar nicht, er war aber als Verteidiger des Pfarrers Hochdörfer aus Sembach tätig, der als Redner in Hambach 1833 vor Gericht stand. Das Verfahren endet für Hochdörfer dank der guten Verteidigung Culmanns mit einem Freispruch. Culmann trug die Verteidigung jedoch eine Anklage wegen Beleidigung des ehemaligen Regierungspräsidenten Stichaner ein; der Vorwurf konnte jedoch nicht eindeutig belegt werden, so daß das Verfahren eingestellt wurde. In dieser Zeit floh Culmann zusammen mit seinem Bruder Christian - veranlaßt durch Gerüchte über ihre bevorstehende Verhaftung - nach Lothringen. Sie kehrten jedoch bald zurück.

Ein weiteres Mal trat Culmann als Advokat ins Rampenlicht des öffentlichen Interesses, als er den Fürsten von der Leyen im Zivilrechtsstreit mit dem bayerischen Fiskus um den Besitz der St. Ingberter Kohlengruben vertrat. Dieses Verfahren endete 1846 mit einer Niederlage.

1848 wird August Culmann in einer Erklärung des Kreisausschusses zur Wahl der Nationalversammlung (18. April) für den Wahlbezirk Bergzabern "besonders empfohlen". Dennoch erreichte er hier am 30. April nur den vierten Platz unter allen Kandidaten dieses Wahlkreises. Wie aus einem Brief an Kolb (26.1.1849) und aus einer Schrift Culmanns von 1849 herauszulesen ist, sah er in Philipp Umbscheiden, der als zweiter Ersatzmann dank des Verzichts Kolbs und Schülers in die Paulskirche einzog, den Rivalen, der seine Wahl mit unlauteren Mitteln sabotiert hatte. Als der Landauer Abgeordnete Maximilian Glaß im Herbst des Jahres von seinen Wählern zum Rücktritt gezwungen wurde, ergab sich für Culmann aber eine zweite Chance zum Eintritt in die Nationalversammlung: Am 6. November wurde August Culmann vom dortigen Wahlmännergremium gewählt.

In der Nationalversammlung schloß er sich dem Club Donnersberg an. Er hatte aber auch keine Berührungsängste zu Mitgliedern der äußersten Rechten wie dem österreichischen Abgeordneten Eduard Christoph Freiherr von Hayden, mit dem er sich die Wohnung in Frankfurt teilte und politische Probleme diskutierte. Als Redner trat Culmann nur einmal in der Paulskirche hervor: Am 25. Januar sprach er sich in einer Rede mit Nachdruck dafür aus, daß die Entscheidungskompetenz über Kriegserklärungen, Mobilmachungen und Friedensschlüsse beim Parlament liegen sollte. Seine Position unterlag in der Abstimmung, die Befugnis wurde dem Kaiser übertragen. Nach dieser Rede berichtete er, daß die Rede in der großen Versammlung ihm und seiner Stimme große Anstrengungen bereitet hatte. Die Rednertribüne bestieg er danach nicht mehr; dafür beteiligte er sich über Antragstellungen und Anfragen eifrig an der Parlamentsarbeit. Bemerkenswert sind seine Anfrage, was das Reichsministerium zur Durchsetzung der Reichsgesetze (namentlich der Grundrechte) in Bayern zu tun gedenke (9.4.1849), der von ihm unterzeichnete Antrag auf Einführung des Rechts auf Arbeit und der Vorsorgepflicht des Staates für mittellose Arbeitsunfähige sowie der Antrag auf Übertragung der Staatsoberhauptsfunktion an einen gewählten Präsidenten (23.4.1849), nachdem König Friedrich Wilhelm IV. dem Parlament eine Absage erteilt hatte. Schon in den Abstimmungen um diesen Bestandteil der Verfassung im Januar hatte er sich als entschiedener Gegner des Erbkaisertums gezeigt. Alle diese Anträge erhielten keine Mehrheit. Sein Eintreten für die vollkommene Religionsfreiheit und seine antiklerikale Einstellung stieß in der Familie des Pfarrerssohns auf Unmut.

Zum Pfälzer Aufstand nahm Culmann eine uneinheitliche Haltung ein. Er schwankte zwischen Teilnahme und Ablehnung. Die Erkenntnisse über Culmanns Verhalten in dieser Zeit beruhen überwiegend auf zwei Darstellungen aus den Jahren 1849 und 1850 mit unterschiedlichen Intentionen: Die Anklageakte der königlich-bayerischen Staatsprokuratur der Pfalz gegen Culmann und eine im französischen Exil verfaßte Verteidigungsschrift Culmanns. Die Anklageschrift verfolgte das Ziel, Culmann als schuldbeladenen Revolutionär zu darzustellen, die Verteidigungsschrift verharmloste und verleugnete, soweit es möglich war, Beteiligungen an Aktionen des Aufstands. Daraus ergeben sich gewisse Schwierigkeiten der Rekonstruktion der politischen Haltung Culmanns.

Am 2. Mai 1849 wählte ein Gremium aus pfälzischen Deputierten, Vereinsvorständen und Bürgerwehrkommandanten August Culmann zusammen mit neun weiteren Männern in den Landesverteidigungsausschuß. Unter den gewählten Mitgliedern des Ausschusses befanden sich mit Martin Reichard, Nikolaus Schmitt, Friedrich Schüler und Culmann vier Abgeordnete der Nationalversammlung. Während Schüler die Mitarbeit klar ablehnte und Reichard sowie Schmitt eine tragende Rolle spielten, nahm Culmann einen inkonstanten Standpunkt gegenüber dem Ausschuß ein. Er wohnte den Sitzungen nur sporadisch bei und nur unter Bedenken. Am 6. Mai begleitete er mit Kolb den Reichskommissar Jakob Bernhard Eisenstuck zu einer Volksversammlung in Neustadt. Hier sprach er sich als einziger von 20 Rednern gegen die sofortige Proklamierung der Republik aus. Culmann suchte in seiner Verteidigungsschrift mit diesem Auftritt seine Loyalität gegenüber der Monarchie zu beweisen. Diese Darstellung steht allerdings im Widerspruch zu Culmanns Stellungnahme in der Paulskirche für ein bürgerliches Staatsoberhaupt.

Schriftstücke revolutionären Inhalts belegen seine Beteiligung am Aufstand: Aufrufe zur Wahl einer pfälzischen Landesvertretung sowie an das Militär zur Vereinigung mit der pfälzischen Volkswehr, eine Aufforderung an den Kommandanten der Volkswehr von Kusel zur Verlegung seiner Truppen nach Kaiserslautern wie auch ein Schreiben an deutsche und polnische Emigranten in Frankreich mit der Bitte um Beistand in einer militärischen Auseinandersetzung tragen Culmanns Unterschrift.

Am 13. oder 14. Mai kehrte Culmann nach Frankfurt zurück. Ab diesem Zeitpunkt scheint er sich der Aufstandsbewegung zunehmend entfernt zu haben. In seiner Abwesenheit wurde er am 17. Mai mit der zweithöchsten Stimmenzahl in die provisorische Regierung der Pfalz gewählt. Im Amtsblatt der provisorischen Regierung Nr. 12 heißt es dazu (nach dem 8. Juni erschienen): "Die in die provisorische Regierung gewählten Bürger Schüler und Kolb haben nach längerem Zögern erklärt, die auf sie gefallene Wahl nicht annehmen zu wollen, und der Bürger Culmann, der bereits angenommen hatte und in die provisorische Regierung eingetreten war, hat seine Annahme wieder zurückgenommen." Culmann berichtet in einer Erklärung, die er Kolb für eine Veröffentlichung zur Rechtfertigung seiner Position im Juli 1849 sandte, daß er am 23. Mai, als er von den separatistischen Absichten der provisorischen Regierung erfuhr, sich von der Bewegung lossagte. Danach wandte er sich wieder der parlamentarischen Arbeit zu: Im Juni befand er sich in Stuttgart beim Rumpfparlament.

Die Distanzierung von der Aufstandsbewegung durch die im französischen Exil abgefaßten Verteidigungsschrift trug Culmann den Vorwurf des Opportunismus ein. Die Abwendung von den Revolutionären nützte ihm allerdings nicht: 1850 wurde ein Berufsverbot über ihn verhängt, im April 1851 wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Doch Culmann lebte unerreichbar für die bayerische Justiz jenseits der Grenze in Frankreich. In den Fünfziger Jahren verdiente er von Lothringen aus sein Geld als Aktieninvestor, später zog er nach Straßburg und nahm die französische Staatsbürgerschaft an. 1864 kehrte er nach Bayern zurück; im Folgejahr fiel er unter eine Generalamnestie des bayerischen Königs, sein Todesurteil wurde formell aufgehoben. Er betätigte sich dann als erfolgreicher Unternehmer im saarpfälzischen Bergbau: Seit 1865 war er Besitzer der Frankenholzer Bergwerksgesellschaft, später Verwaltungsratsvorsitzender der Steinkohlegrube Frankenholz. Politisch trat er nicht mehr hervor. Am 13. September 1891 starb August Ferdinand Culmann auf seinem Gut Philippsburg bei Ommersheim (Pfalz).

Maximilian Glaß

Glaß' Geburtstag ist der 30. Dezember 1816, Geburtsort ist das mittelfränkische Ansbach. Nach einem Jurastudium in München und Heidelberg (Promotion) ließ er sich 1843 als Rechtsanwalt in Landau nieder. Die Landauer (Wahlkreis 6) wählten ihn im April 1848 in die Nationalversammlung. Dort schloß er sich der Fraktion Westendhall an.

Nachdem Glaß als einziger Pfälzer gegen den erklärten Willen seiner Wählerschaft für die Berufung einer provisorischen deutschen Zentralgewalt gestimmt hatte, empörten sich seine Wähler gegen ihn und zwangen ihn am 5. September zum Rücktritt von seinem Mandat. Seine Nachfolge nahm Culmann ein. Von 1849 bis zu seinem Tode am 25.5.1855 arbeitete er als Untersuchungsrichter am Bezirksgericht Landau.

Gustav Adolph Gulden

Gulden wurde am 18. Dezember 1808 als Sohn des Pfarrers von Mörzheim (Landau) Johann Jacob Gulden geboren. Dieser war mit einer älteren Schwester August F. Culmanns verheiratet, des späteren Kollegen Gustav Guldens in der Nationalversammlung. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Zweibrücken nahm er in München 1827 ein Jurastudium auf. Er wurde Mitglied der Burschenschaft Markomannia und deren Sprecher. Seit Oktober 1829 studierte er in Heidelberg. Aufgrund seiner burschenschaftlichen Vergangenheit erhielt er längere Zeit keine Stellung im Staatsdienst. Erst 1837 bekam er eine Advokatur beim Bezirks- und Appellationsgericht in Zweibrücken.

1848 wurde ihm das Mandat des dritten pfälzischen Wahlkreises (Homburg) für die Paulskirche übertragen. Dort gehörte er dem Deutschen Hof an. 1849 wechselte er mit dem Parlament nach Stuttgart. Mit Bitterkeit reagierte Gulden auf die ausbleibende Anerkennung der Reichsverfassung: "Es gibt keine von den sogenannten Tugenden des deutschen Volkes, welche weniger diesen Namen verdient, und sich unheilvoller für das deutsche Volk erwiesen hat, als die gepriesene Treue zu den angestammten Herrschern."

Aus den Daten der folgenden Lebensjahre läßt sich auf einen für viele Liberale typischen politischen Richtungswechsel Guldens schließen: Seit 1849 trug er den Titel "königlicher Rat"; er wurde in den Vorstand der Anwaltskammer und in die Zweibrücker Stadtverordnetenversammlung (1849) gewählt. Seit 1860 gehörte er dem Vorstand des Liberalen Vereins in Zweibrücken an. Nach 1871 zeigte er sich als Nationalliberaler in zahlreichen Festreden als Bewunderer des Kaisers und Bismarcks. Am 7. April 1882 starb Gulden in Zweibrücken.

Georg Friedrich Kolb

Georg Friedrich Kolb wurde am 8. September 1808 als Sohn des Buchdruckers und Redakteurs Jakob Christian Kolb und dessen Frau Karoline Prior in Speyer geboren. Der Vater war aus Tübingen in die Pfalz gezogen, führte in Speyer eine Buchhandlung und war Herausgeber einer Zeitung, die unter wechselnden Namen erschien. Der Sohn wuchs im freiheitlichen Geist des Elternhauses auf, in dem Anhänger der französischen Revolution verkehrten.

Seit 1814 gab der Vater die "Speyerer Zeitung" heraus, die seit 1816 den Namen "Neue Speyerer Zeitung" trug. Sie etablierte sich als liberales Blatt. Zeitweise war sie die einzige Zeitung, die im bayerischen Rheinkreis erschien. Obwohl sie keinen antibayerischen Kurs einnahm, bereitete die Zensur schon dem Vater mehrfach Schwierigkeiten.

Der Sohn verließ vorzeitig als Vierzehnjähriger das Gymnasium, um im väterlichen Unternehmen mitzuarbeiten. Georg Kolb bildete sich fortan als Autodidakt weiter, wobei er sich ein bemerkenswertes Wissen aneignete. Als Sechzehnjähriger erschienen seine ersten Artikel in der Zeitung, zwei Jahre später veröffentlichte er ein Buch mit historischen und politischen Aufsätzen.

Im Mai 1827 starb der Vater. Georg Kolb übernahm - noch keine 19 Jahre alt - die Leitung der Redaktion, die offiziell noch von der Mutter geführt wurde, solange der junge Kolb die Volljährigkeit nicht erreicht hatte. Damit setzte ein Aufschwung in der Entwicklung der Zeitung ein, die "zu einem der bedeutendsten Blätter des deutschen Vormärz" wurde. Seit 1830 trug Georg Kolb auch formal die Verantwortung für das Geschäft. Im November dieses Jahres heiratete Kolb Regine Gärth. Aus der Ehe gingen vier Töchter und ein Sohn hervor.

Nachdem die ersten Jahre unter der Redaktionsleitung Georg Kolbs vergangen waren, entwickelte der junge Herausgeber eine wachsende Angriffslust gegen die Reaktion. Er scheute auch hartnäckige und andauernde Auseinandersetzungen mit dem Zensor nicht. In mehreren Fällen setzte er sich über das Verbot der Zensur hinweg und druckte zensierte Artikel.

Gegenüber ihren seit 1830 auftretenden Konkurrenten in der Pfalz war die "Speyerer Zeitung" ein eher gemäßigtes Blatt: Im Oktober 1830 brachte Philipp Siebenpfeiffer die Zeitschrift "Rheinbayern" heraus, die jedoch bald einging; seit 1831 erschienen der "Westbote" und "Der Rheinbaierische Volksfreund". Der Vergleich mit diesen radikalen Zeitungen trug Kolbs Zeitung den Ruf des Juste-Milieu ein, der lauen Gesinnung. In dieses Bild paßte es, daß Kolb den Vertretern der gemäßigten Kammeropposition Friedrich Willich und Christian Culmann mit seinem Blatt ein Forum bot, den Beschimpfungen der radikalen Zeitungen Siebenpfeiffers und Wirths entgegenzutreten.

1832 war das Monopol der "Speyerer Zeitung" in der Pfalz wiederhergestellt, denn die Blätter Wirths und Siebenpfeiffers wurden von der Regierung unterdrückt. Damit kam der "Speyerer Zeitung" in diesem bedeutsamen Jahr eine wichtige Stellung zu. Sie verstärkte dabei ihre Opposition gegen die Regierung wieder. Kolb nahm am Hambacher Fest teil, trat aber nicht als Redner auf. Seine Zeitung war jedoch an der Vorbereitung des Festes beteiligt: Sie hatte als erstes Organ zur Teilnahme aufgerufen. Als der Regierungspräsident der Pfalz ein Verbot des Festes aussprach, entfachte sie eine Kampagne gegen diesen Beschluß und publizierte das Rechtsgutachten der Advokaten Schüler, Geib und Savoye, das die Rechtswidrigkeit der Verfügung nachwies. Die von der Zeitung journalistisch begleitete Empörung der Bevölkerung gegen den Regierungspräsidenten bewirkte die Rücknahme des Verbots. Die "Speyerer Zeitung" war eine der "schärfsten Waffen" im Kampf der Liberalen um das Hambacher Fest.

Der Abdruck eines Protestaufrufs gegen die Repressionen der Regierung nach dem Hambacher Fest in der "Speyerer Zeitung" bot der Regierung des Rheinkreises die Handhabe, gegen Kolb juristisch vorzugehen. Kolb weigerte sich, den Verfasser des Aufrufs zu nennen und wurde angeklagt. Nun konnten sich die Advokaten Willich und Christian Culmann für Kolbs publizistische Hilfeleistung im Jahr 1831 erkenntlich zeigen. Sie übernahmen Kolbs Verteidigung. Kolb wurde in zweiter Instanz im Dezember 1833 freigesprochen.

Nach 1832 beachtete Kolb die Vorgaben der Zensur. Er setzte seine Zeitung aber weiter im oppositionellen Sinne ein. So unterstützte sie eine Unterschriftensammlung gegen die restriktiven Bundesbeschlüsse - dabei gab Kolb der Unterschriftensammlung Chr. Culmanns den Vorzug gegenüber einer radikaleren konkurrierenden Kampagne. Um die Zensur zu umgehen, verlegte sich die Zeitung zunehmend auf eine indirekte Kritik, indem sie intensiv, aber scheinbar neutral über politische Gerichtsprozesse, die Auswanderung nach Amerika sowie ihre wirtschaftlichen Folgen und über die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten berichtete, ohne die eigentlichen Mißstände in Bayern und Deutschland beim Namen zu nennen.

Aus den Stellungnahmen der "Speyerer Zeitung" lassen sich Kolbs politische Positionen ableiten. Die "Speyerer Zeitung" nahm auf den verschiedenen Politikfeldern eine durchweg liberale Position ein. Dieses gilt namentlich für die Stellungnahme zu kirchlichen Fragen, zum Schul- und Bildungswesen und zur Wirtschaftspolitik (Forderung nach Gewerbe- und Zollfreiheit). Der sozialen Frage schenkte sie frühzeitig Beachtung, empfahl aber auch hier eher liberale Lösungsansätze, ohne allerdings den Staat ganz aus der Verantwortung zu entlassen (begrenzte Armenfürsorge). Auf dem Gebiet des Justizwesens setzte sie sich für eine Ausweitung der pfälzischen Institution des öffentlichen und mündlichen Verfahrens auf ganz Deutschland ein und sprach sich für einen humanen Strafvollzug sowie die Abschaffung der Todesstrafe aus.

Durch seinen persönlichen Einsatz für seine Vaterstadt Speyer und die Pfalz erwarb sich Kolb bei seinen Mitbürgern das Vertrauen, das zu seiner Berufung zu verschiedenen politischen Ämtern führte. Insbesondere bemühte er sich um die wirtschaftliche Entwicklung Speyers. Seit Ende der dreißiger Jahre engagierte er sich zunächst publizistisch, dann als Aktionär und als Mitglied des leitenden Komitees für den Bau einer Eisenbahnlinie über Speyer zur Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen sowohl über den Rhein nach Baden und Württemberg sowie dem Rhein entlang nach Norden als auch zum französischen Elsaß. In dieser Zeit begründete er auch mit Gesinnungsgenossen den Speyerer Gewerbeverein, der vor allem kleineren Handwerkern zum Nutzen war (Bau einer Gewerbehalle).

Seine Heimatstadt dankte ihm das Engagement mit der Wahl in den Gemeinderat 1838 und der Wahl zum Bürgermeister 1848.

Durch die Mitarbeit am "Staatslexikon" von Rotteck und Welcker und zahlreiche weitere Veröffentlichungen erwarb sich Kolb Ansehen in liberalen politischen Kreisen. Für das "Staatslexikon" verfaßte Kolb mehrere Artikel zu geschichtlichen, politischen, landeskundlichen und religiösen Themen. Darüber hinaus veröffentlichte er Bücher, deren bedeutendstes die siebenhundertseitige "Geschichte der Menschheit und Kultur" war. Mit diesem Werk der allgemeinen Menschheitsgeschichte löste sich Kolb von der traditionellen, vor allem kriegerische Ereignisse beachtenden Geschichtsschreibung und richtete sein Augenmerk auf die kulturelle und soziale Entwicklung der Völker. Ein besonderes Interesse Kolbs galt immer wieder der Statistik, die zum Inhalt mehrerer Bücher wurde. Seine tagesjournalistischen Veröffentlichungen werden ferner durch Flugschriften und Broschüren ergänzt, worin er sich zu politischen Problemen äußerte (z. B. "Die Steuerüberbürdung der Pfalz gegenüber der Besteuerung der übrigen bayerischen Kreise"). In allen seinen Schriften blieb Kolb seiner liberalen Grundhaltung treu.

Seit den dreißiger und verstärkt in den vierziger Jahren war Kolb mit mehreren Männern der liberalen Bewegung bekannt und befreundet. Unter den bayerischen Kammermitgliedern waren ihm F. J. Willich und Christian Culmann verbunden, seitdem er sie gegen Siebenpfeiffers Angriffe unterstützt hatte. Auch mit dem jüngeren Bruder Christian Culmanns August und mit den Kammerabgeordneten und späteren Kollegen in der Paulskirche F. Tafel und R. Christmann verband Kolb schon vor der Märzrevolution eine Freundschaft. Ferner war Kolb mit dem späteren Nationalversammlungsabgeordneten K. Spatz schon lange eng befreundet. Auch außerhalb der Pfalz - insbesondere in Baden - besaß Kolb Freunde und Bekannte unter den bedeutenden Liberalen. Darunter befanden sich Rotteck und Welcker, Itzstein, Friedrich Daniel Bassermann und Karl Mathy.

Als Anfang März die revolutionäre Welle von Frankreich nach Deutschland und in die Pfalz hinüberschwappte, waren Kolb und die "Speyerer Zeitung" in die Oppositionsbewegung einbezogen. Die "Speyerer Zeitung" veröffentlichte die Märzforderungen der Pfalz am 3. März und Kolb trat auf einer Volksversammlung in Neustadt am 12. März als einer der Hauptredner auf. Seine Forderungen hielten sich im Rahmen des Konstitutionalismus. Sein zentrales Anliegen war eine Wahlreform, die die Wahl nach Ständen beseitigen sollte, ferner forderte er ein Einkammernsystem und die Ausweitung der Kompetenz des Landtags auf das gesamte Budget.

Vom Siebener Ausschuß wurde Kolb zum Vorparlament nach Frankfurt eingeladen. Hier trat er kaum öffentlichkeitswirksam in Erscheinung, hielt keine Rede. Dennoch wurde Kolb an sechster Stelle in den Fünfzigerausschuß gewählt. Dort wurde er Vorsitzender des Wahlausschusses. In diesem Amt versuchte Kolb bei Unstimmigkeiten über die von den Regierungen erlassenen Wahlgesetze eher zu vermitteln als auf Konfrontationskurs zu den Ländern zu gehen. Nur wenn ihm die Wahlbeschränkungen allzu einschneidend erschienen - wie im Fall des bayerischen und des sächsischen Wahlgesetzes - plädierte er für ein Einschreiten. Da bei der Bevölkerung seiner Heimat diese gemäßigte Haltung wenig populär war, vermittelte er über seine Zeitung das Bild eines kompromißloseren Handelns. Gleichzeitig war Kolb aber ein unermüdlicher Warner vor der Reaktion.

Für die Wahl zur Nationalversammlung wurde Kolb auf die Vorschlagsliste des Kreisausschusses der Pfälzer Volksvereine gesetzt. Eine weitere Stütze seiner Wahlbewerbung war seine Zeitung, mit der er stetig Einfluß auf die politische Meinungsbildung in der Pfalz nehmen konnte. Kolb wurde gleichzeitig in den Wahlbezirken Speyer und Bergzabern gewählt und nahm das Mandat für Speyer an.

In der Paulskirche wurde er Mitglied des Deutschen Hofes. Seine politischen Anschauungen waren gemäßigt-demokratisch. Er sprach sich mit Nachdruck gegen die sofortige Einführung der Republik aus, da er das Volk für nicht reif genug dafür hielt. Dem Kommunismus wollte er gleichermaßen entgegentreten wie dem Absolutismus.

Bis zum September ergriff Kolb mehrfach im Plenum der Nationalversammlung das Wort zu verschiedenen Themen, immer wieder die Einheit Deutschlands betonend. Nach dem September 1848 hielt er keine Rede mehr vor dem Plenum. Er reagierte mit einer gewissen Resignation auf die Entwicklung, insbesondere nachdem sein Banknachbar in der Paulskirche Robert Blum erschossen worden war.

Während der Verfassungsdiskussion entwickelte Kolb seine Vorstellungen für das künftige Deutschland weiter: Entgegen seiner früheren Skepsis gegenüber der Republik widerstrebte Kolb nun die Übertragung der Würde des Staatsoberhaupts an einen Monarchen; bei seiner Ablehnung des Erbkaisertums spielte gewiß auch seine antipreußische und großdeutsche Grundhaltung eine Rolle. Dennoch war Kolb nach der Annahme der erbkaiserlichen Verfassung durch die Nationalversammlung nicht pessimistisch gestimmt, da viele liberale Prinzipien verwirklicht worden waren.

Bei den Beratungen der Nationalversammlung von Mitte Januar bis Anfang März 1849 war Kolb zumeist nicht zugegen, da er im Dezember 1848 für den Bezirk Germersheim-Bergzabern in den bayerischen Landtag gewählt worden war und seine Aktivität seit der Landtagseröffnung am 15. Januar auf sein Amt als bayerischer Abgeordneter verlegte. Im Gegensatz zu seiner Stellung in der Nationalversammlung nahm Kolb im bayerischen Landtag als einer der Führer der großen linken Fraktion eine wichtige Rolle ein. Gleich bei seinem Eintritt in den Landtag setzte er sich erfolgreich für die Bildung einer linken Fraktion ein und verfaßte das Programm seiner Fraktion. Eine besondere Bedeutung bekam seine Tätigkeit als Mitglied des Finanzausschusses: Als die Regierung hier eine Vorlage einbrachte, die vorsah, zur Finanzierung der Matrikularbeiträge an das Reich einen Zuschlag von 25 % auf alle direkten Steuern zu erheben - eine Steuererhöhung, die die Begeisterung für die deutsche Einheit wohl gedämpft hätte -, konterte Kolb mit der Aufdeckung des Skandals um das sogenannte griechische Anlehen. Auf diese Weise in die Enge getrieben, sahen Regierung und König keinen anderen Ausweg, als den Landtag am 8. März 1849 zu vertagen.

Nach der Wiederaufnahme der Landtagssitzungen am 15. Mai bot sich der Regierung bald ein neuer Vorwand, sich der mißliebigen Pfälzer Landtagsopposition zu entledigen. Mit dem Argument, sie seien Vertreter einer aufständischen Provinz, wurden die Pfälzer Abgeordneten von den Sitzungen ausgeschlossen (24. Mai). Nach dem Ausschluß konnte sich Kolb zusammen mit Schüler nur durch eine eilige Abreise vor einer drohenden Verhaftung retten.

Kolb sah sich während des Aufstands zwischen den Fronten der Revolutionäre einerseits und der verfassungsfeindlichen Reaktion andererseits. An der Kaiserslauterer Volksversammlung an den ersten beiden Maitagen war er nicht beteiligt. Dennoch förderte Kolb anfangs mit seiner Zeitung die Bewegung: Er veröffentlichte die Beschlüsse des Landesverteidigungsausschusses, forderte die pfälzischen Gemeinden auf, sich für die Reichsverfassung zu erklären, und nahm die Vereidigung der Speyerer Bürger auf die Verfassung vor. Doch gleichzeitig publizierte er auch die Aufrufe der regulären bayerisch-pfälzischen Bezirksregierung, die zur Ordnung mahnte, denn auch Kolb lag die Aufrechterhaltung von Ordnung und Gesetzlichkeit am Herzen. Seine Wahl in die provisorische Regierung der Pfalz am 17. Mai nahm er nicht an. Am 1. Juni faßte der Stadtrat von Speyer auf Kolbs Initiative den Beschluß, den Vollzug der von der provisorischen Regierung erlassenen Gesetze auszusetzen; die provisorischen Regierung erklärte dieses Vorgehen als Verrat und ordnete unter Androhung von Waffengewalt die Neuwahl des Stadtrates an.

Kolb zog sich nach Stuttgart zurück und nahm an den Sitzungen des Rumpfparlaments bis zu dessen Ende teil.

Trotz Kolbs kritischer Haltung gegenüber dem Aufstand wurde seine Zeitung am 22. Juni von der wieder etablierten bayerischen Staatsmacht verboten, einen Tag später wurde er verhaftet. Dennoch wurde Kolb am 24. Juni in den Landtag wiedergewählt. Er konnte jedoch das Mandat erst Ende Januar 1850 antreten, da er bis zum 3. Januar in Haft gehalten worden war, ohne daß es zu einer Verurteilung gekommen war. Kolb wurde auch in die Landtage von 1851/52 und 1853/55 gewählt.

Doch auch in den folgenden Jahren sah sich Kolb der Strafverfolgung ausgesetzt. Als er 1853 zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde und Schikanen der Regierungsbehörden zum Ende der zwischenzeitlich wieder erschienen "Neuen Speyerer Zeitung" geführt hatten, ging Kolb mit seiner Familie ins Exil in die Schweiz. Dort trieb er politische, geschichtliche und volkswirtschaftliche Studien. 1860 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Redakteur der "Neuen Frankfurter Zeitung". Vor der Besetzung Frankfurts durch preußische Truppen im Jahr 1866 siedelte Kolb vorübergehend nach Stuttgart über, um dann nach München umzuziehen. Schon seit 1863 saß Kolb für den Wahlbezirk Kirchheimbolanden-Kaiserslautern wieder im bayerischen Landtag. 1868 wurde er in das deutsche Zollparlament gewählt. Seit 1870 vertrat er Würzburg im Landtag. In der Zeit der Einigungseuphorie unter Bismarck stemmte sich Kolb gegen den Strom, indem er immer wieder seine großdeutsche und antipreußische Gesinnung kundtat und sich für eine Versöhnung mit Frankreich einsetzte. Im Februar 1871 gab er sein Landtagsmandat ab (aus dem Zollparlament war er schon 1869 ausgetreten) und zog sich aus dem politischen Leben zurück. Am 15. Mai 1884 starb Georg Friedrich Kolb in München.

Joseph Martin Reichard

Der Speyerer Joseph Reichard wurde am 23. September 1803 in Untergrehweiler bei Rockenhausen (Pfalz) als Sohn des Notars Johann Franz Reichard geboren. Während seiner Studienzeit in Heidelberg, Würzburg und Erlangen (1821-25) schloß er sich dem Studentenkorps Rhenania in Heidelberg (1821) und einer Burschenschaft in Erlangen (1823) an.

1835 ließ er sich als Rechtsanwalt und Notar zunächst in Kusel, später in Speyer (1837-49) nieder.

Mitte März 1848 führte Reichard eine Deputation von 76 Pfälzer Liberalen an, die dem König in München die Forderungen der Pfalz überbrachten. Im April wurde er vom Volksverein auf die Kandidatenliste für die Nationalversammlung gesetzt.

Vom 18. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849 gehörte er als Vertreter des fünften pfälzischen Wahlkreises der Nationalversammlung an. In Frankfurt war er in der Faktion Donnersberg.

Im Pfälzischen Aufstand war Reichard einer der Anführer der Bewegung: Er leitete die Volksversammlung vom 2. Mai in Kaiserslautern, auf der er zusammen mit Gesinnungsgenossen die Einrichtung des Landesverteidigungsausschusses erreichte, aber auch durch geschicktes Taktieren die Proklamierung der sofortigen Abtrennung der Pfalz von Bayern verhinderte. In den Verteidigungsausschuß wurde Reichard mit der höchsten Stimmenzahl gewählt, ebenso zwei Wochen später in die provisorische Regierung. Dieser stand er als Präsident und Kriegsminister vor.

Den Wechsel der Nationalversammlung nach Stuttgart vollzog er aufgrund seiner Aufgabe in der Pfalz nicht mit.

Nach der Niederlage der Revolution floh Reichard zunächst in die Schweiz, nach seiner Ausweisung wegen politischer Gefährlichkeit im November 1849 ging er in die USA. Damit entging er dem Todesurteil, das gegen ihn 1851 in Abwesenheit wegen "Hoch- und Staatsverrat, Aufruhr und Rebellion" ausgesprochenen wurde. In Philadelphia eröffnete er ein Wirtshaus, später arbeitete er als Anwalt und Versicherungsagent. Er gelangte dabei zu einem gewissen Wohlstand. Reichard setzte sich weiterhin für öffentliche Angelegenheiten ein: Er war wie sein Freund Schmitt Mitherausgeber der deutschen Zeitung "Volksvertreter", Mitglied der Freidenkergesellschaft "Freie Gemeinde", setzte sich für die Deutsche Gesellschaft zur Unterstützung notleidender Einwanderer ein und wirkte beim Aufbau des deutschen Krankenhauses in Philadelphia mit. Am 14. Mai 1872 starb er an seinem Exilort.

Carl Adolph Ritter

Carl Ritter, geboren 1794 in Frankenstein bei Kaiserslautern, wurde wie sein Vater Posthalter sowie Gutsbesitzer. Seit 1830 war er Bürgermeister seiner Heimatstadt, 1831-34 Mitglied des pfälzischen Landrats. Ferner wurde er in die zweite bayerische Kammer gewählt. In der Ständeversammlung wurde er zu den "inkorregablen Oppositionsmännern" gezählt. Ritter war ein Förderer des Preßvereins, Teilnehmer am Hambacher Fest und Mitunterzeichner einer Protestation gegen die Bundesbeschlüsse (1.8.1832). Infolge dessen wurde er am 23.4.1834 zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Er war allerdings bereits im März 1833 nach Amerika gereist, so daß das Urteil nur in Abwesenheit verkündet werden konnte. 1834 kehrte er nach einer längeren Reise in den USA in die Pfalz zurück. 1835 beteiligte er sich am Bau der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth.

Als Ersatzmann für N. Schmitt im Wahlkreis 4 (Kaiserslautern) gewählt, rückte er im Juni 1849 ins (Rumpf-)Parlament nach, als dieser als Mitglied der provisorischen Regierung sein Mandat niederlegte. Am Pfälzischen Aufstand war er als Adjunkt für die Einziehung freiwilliger Beiträge für die provisorische Regierung beteiligt. Nach der Revolution floh er vorübergehend in die USA. Ein gegen ihn eingeleitetes Verfahren wurde am 3. August 1849 eingestellt.

Politisch betätigte sich Ritter später nicht mehr. Er wirkte jedoch am Bau der Ludwigsbahn, der Landesirrenanstalt Klingenmünster und des Ludwig-Donau-Mainkanals mit. Seit 1849 lebte er in Kaiserslautern, wo er am 13. August 1863 verstarb.

Nikolaus Schmitt

Nikolaus Schmitt wurde am 21.1.1806 als Sohn eines Advokaten in Kaiserslautern geboren. Nach dem Besuch der Kaiserslauterer Lateinschule und des Speyerer Gymnasiums studierte er in Würzburg, Heidelberg, München und Jena schöne Wissenschaften und Rechtswissenschaft (1825-29). Wegen Mitgliedschaft in der Münchener Burschenschaft Markomannia kam er in Generaluntersuchung, wurde aber am 12. Juli 1836 freigesprochen. Eine Tätigkeit im Staatsdienst war ihm aber verwehrt. Er arbeitete deshalb in Kaiserslautern zunächst als Rechtsberater (1829-37), später als Herausgeber und Redakteur (1837-49) des "Boten für Stadt und Land", der sich 1849 zu einer der treibenden Kräfte des Pfälzischen Aufstands entwickelte. 1837-48 war Schmitt Mitglied des Kaiserslauterer Stadtrats.

Im Jahr 1848 war Schmitt der erste Vorsitzende des neugegründeten "Pfälzischen Volks- und Vaterlandsvereins" über dessen Vorschlagsliste er im vierten pfälzischen Wahlkreis (Kaiserslautern) in die Nationalversammlung gewählt wurde, wo er Mitglied der Fraktion Donnersberg wurde.

Infolge seiner Beteiligung am Pfälzer Aufstand schied Schmitt im Mai 1849 aus dem Parlament aus. Als aktiver Revolutionär wurde er (mit der zweithöchsten Stimmenzahl) in den Landesverteidigungsausschuß gewählt und später in die fünfköpfige provisorische Regierung, in der er als Innenminister fungierte.

Nach der Niederschlagung des Aufstandes floh Schmitt über die Schweiz nach Amerika und ließ sich in Philadelphia nieder. In Abwesenheit wurde er am 19. April 1851 zum Tode verurteilt. Schmitt war im Exil bis zu seinem Tod 1860 als Rechtsanwalt und Journalist tätig. Auch politisch engagierte er sich: In einflußreicher Position wirkte er bei der Gründung der Republikanischen Partei in Philadelphia mit. Er war Präsident der "Freien Gemeinde", einer Gesellschaft für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Förderung von Humanität. Einige Zeit gab er die deutsche Tageszeitung "Volksvertreter" heraus.

Friedrich Schüler

Friedrich Schüler wurde am 19. August 1791 in Bergzabern geboren. Sein Vater, der reformierte Knabenpräceptor (Lehrer) Elias Schüler, starb bereits 1795. Als Friedrich Schüler 14 Jahre alt war, starb auch die Mutter, die wie der Vater aus einer Lehrersfamilie stammte. Sein Vater war ebenso wie dessen Bruder Abraham ein Anhänger der französischen Revolution. Abraham Schüler, Lehrer im Nachbarort Mühlhofen, warb in seinem Dorf für die Französische Revolution und einen Anschluß an Frankreich. Dafür kam er 1792/93 zeitweise ins Gefängnis, als kaiserliche Truppen die Pfalz besetzten.

Friedrich Schüler nahm an der École de droit in Straßburg das Jurastudium auf, ab 1812 setzte er es im damals zum Königreich Westphalen gehörenden Göttingen fort. Dort studierte auch Christian Culmann, späterer bayerischer Kammerabgeordneter und älterer Bruder des Paulskirchenabgeordneten August Culmann. 1816 kehrte Schüler in die inzwischen bayerische Pfalz zurück und ließ sich am Appellationsgericht in Zweibrücken als Advokat nieder.

Am 26. Februar 1824 heiratete Schüler die 24jährige Anatholie Salmon. Ihr Vater war ein reicher französischer Domäneneinnehmer aus Lothringen. Mit dieser Ehe wurde Schüler ein sehr vermögender Mann. Schüler erwarb einen Hof in der Nähe von Zweibrücken, ein Weingut in Ste. Ruffine bei Metz sowie im Jahr 1832 ein großes Zweibrücker Adelshaus. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Schülers republikanische Überzeugung trat hervor, als im Sommer 1829 das bayerische Königspaar Zweibrücken besuchte. Zusammen mit zwei Kollegen - Joseph Savoye und Ferdinand Geib - verweigerte er die Teilnahme an der Audienz, die für die Beamten des Appellationsgerichts stattfand.

Dennoch lebte Schüler sehr zurückgezogen und war in politischen Kreisen wenig bekannt. Als er sich im Januar 1831 um einen Sitz in der bayerischen Abgeordnetenkammer bemühte, wurde er nur auf Empfehlung Christian Culmanns von einer schwachen Mehrheit der Wahlmänner in die Kammer gewählt. Hier saß er als Vertreter der Klasse der Landeigentümer.

Schüler fiel im Plenum der Abgeordneten nicht besonders auf, hielt nur selten eine Rede, doch im Budgetausschuß, dem er als Berichterstatter angehörte, übernahm er die Führung: In bislang für die bayerische Ständeversammlung beispielloser Weise griff er von hier aus die Finanzpolitik der königlichen Regierung an. Zum erstenmal seit dem Inkrafttreten der Verfassung im Jahr 1819 wagte es die Kammer, auf Antrag Schülers, Kürzungen am vorgelegten Haushaltsplan vorzunehmen. Die Einsparungen betrafen den Kunstetat und die Zivilliste - das mußte König Ludwig besonders schmerzen. Seine Angriffslust verbunden mit Sachkompetenz in Finanzfragen machten Schüler zum "Gefährlichste[n] aller Oppositionsmänner".

Über der Diskussion um den harten Oppositionskurs Schülers sowie über der Frage der Verbeamtung der pfälzische Friedensrichter entzweiten sich jedoch die freisinnigen Pfälzer Abgeordneten. Aus französischer Zeit bestand in der Pfalz noch die Institution des vom Volk gewählten Friedensrichters. Diese Friedensrichter mußten keine ausgebildeten Juristen sein, was dazu führte, daß ihre Kompetenz oft zu wünschen ließ. Chr. Culmann wollte diesen Mißstand beseitigen, indem er den Antrag stellte, die Friedensrichter zu verbeamten, so daß sie - wie die übrigen Beamten - vom König eingesetzt worden wären. Schüler sah in diesem Antrag eine Preisgabe von einem Stück Volkssouveränität und stellte sich Culmann entgegen. Es folgte eine heftige Pressekampagne in der Pfalz gegen die gemäßigten Abgeordneten.

Schülers Abgeordnetentätigkeit endete zunächst, als er Ende Oktober 1831 erkrankte und sich zur Erholung nach Metz begab.

Am 13. Januar 1832 kehrte Schüler nach Zweibrücken zurück. Es wurde ihm ein überwältigender Empfang bereitet. Schüler genoß als "Held" der zurückliegenden Kammerverhandlungen große Popularität, er war "das Idol der Republikaner" in der Pfalz. Zu seine Ehren wurde am 29. Januar im Zweibrücker Vorort Bubenhausen das sogenannte erste "Schülerfest" veranstaltet, auf dem auf Anregung des Redakteurs Johann Wirth der "Preß- und Vaterlandsverein" initiiert wurde. Schüler trat zusammen mit Savoye und Geib in das Zentralkomitee. Der Verein setzte sich für die Pressefreiheit ein, die der angestrebten nationalen Einheit in einem demokratischen Verfassungsstaat vorangehen sollte. Schnell breitete sich der Verein auch außerhalb der Pfalz aus, wurde jedoch im März 1832 verboten.

Am 6. Mai des selben Jahres fand in Zweibrücken ein zweites "Schülerfest" statt. Es war noch prächtiger als das vorangegangene und Schüler hielt eine kämpferische Rede gegen die Münchener Regierung sowie den pfälzischen Regierungspräsidenten. Er griff dabei auch die unter Teilen der Bevölkerung herrschende soziale Not auf.

An der Organisation des Hambacher Festes war Schüler nicht beteiligt. Als jedoch der Regierungspräsident im Vorfeld des Festes ein Verbot aussprach, erstellten Schüler, Savoye und Geib ein Rechtsgutachten, das die Rechtswidrigkeit des Verbots nachwies. Daraufhin hob der Regierungspräsident das Verbot wieder auf. Auf dem Hambacher Fest erschien Schüler erst am Nachmittag des ersten Tages. Am zweiten Tag hielt er eine kurze Rede.

Bei dem im Umfeld des Festes stattfindenden Beratungen unter den liberalen Führern (Versammlung im Neustädter Schießhaus und Besprechung im Hause Schopmanns) nahm Schüler eine eher bremsende Position gegenüber dem revolutionären Eifer ein. Baumann vermutet als Ursache dieser Haltung Gedanken an einen Aufstand, den der Kreis um Schüler für den Fall einer erfolgreichen Rebellion der französischen Republikaner gegen die Monarchie Louis Philippes für Deutschland geplant habe. Nach Baumann fürchtete Schüler einerseits, daß in Hambach andere, nicht eingeweihte oppositionelle Gruppen, die Führung der Bewegung übernehmen könnten, und andererseits, daß die Regierung die Ereignisse von Hambach zum Anlaß von Unterdrückungsmaßnahmen nehmen könnte, die einer möglichen Revolution die organisatorische Basis entzögen.

Von der Verfolgung der Wortführer der Opposition nach dem Hambacher Fest war auch Friedrich Schüler betroffen. Sein Auftreten auf dem Hambacher Schloß bot zwar keinen Anlaß für ein Vorgehen gegen ihn, doch schien er der Regierung aufgrund seiner Tätigkeit in der Ständeversammlung das "Symbol des pfälzischen Widerstandes" zu sein, dessen Freiheit ein zu großes Risiko darstellte. Am 19. Juni wurde der Haftbefehl gegen Schüler unterzeichnet, Schüler hatte jedoch bereits am Abend zuvor Zweibrücken verlassen und war über die Grenze nach Frankreich gegangen. Er begab sich auf sein Landgut bei Metz und kehrte auch nicht in die Pfalz zurück, um sich einem Prozeß zu stellen. Am 29. August 1833 wurde er in Landau wegen "Aufreizung der Einwohner zur Bewaffnung gegen die königliche Autorität und zum gewaltsamen Umsturz der königlichen Staatsregierung" in Abwesenheit zur zehnjähriger Landesverweisung und anschließender zehnjähriger Polizeiaufsicht sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

In den folgenden 15 Jahren blieb Schüler in der Emigration in Frankreich. Er hielt sich teils in Paris und teils auf seinem lothringischen Landgut auf. Dabei nahm er in den ersten Jahren eine führende Position unter den deutschen Emigranten ein. Er war in die verschieden Aktivitäten der Gesellschaften der Auslandsopposition eingebunden. Doch über die Jahre schwand sein Einfluß, so daß er in den Jahren vor 1848 keine Bedeutung mehr in der Emigrantenbewegung hatte.

Doch im März 1848 erinnerte man sich in der Pfalz des einst so populären Landtagsabgeordneten, und der Kreisausschuß des Pfälzer Volksvereins schlug ihn zur Wahl in die Nationalversammlung vor. Schüler kandidierte u. a. in den Wahlbezirken Bergzabern und Lauterecken. In Bergzabern erreichte er nur die zweithöchste Stimmenzahl aller Bewerber, was aber zur Erlangung des Nationalversammlungssitzes gereicht hätte, weil der Wahlsieger Georg Kolb gleichzeitig in Speyer gewählt worden war und deshalb auf Bergzabern verzichtete. Da sich Schüler jedoch in Lauterecken durchgesetzt hatte, nahm er das Mandat dieses Wahlkreises an (siebter pfälzischer Wahlbezirk).

In der Nationalversammlung schloß er sich dem Club Donnersberg an. Seine republikanische Gesinnung brachte er auch durch seine Ablehnung der Wahl eines Reichsverwesers zum Ausdruck: Kein Pfälzer wählte den Erzherzog Johann, die Mehrheit stimmte für Gagern, Spatz für Itzstein; Schüler und Reichard hingegen lehnten ein Staatsoberhaupt monarchischen Ursprungs auch als Provisorium ab. Natürlich war Schüler wie die übrigen Pfälzer auch ein Gegner des Erbkaisertums. Die politische Entwicklung betrachtete er mit Skepsis. Eine bedeutenden Rolle spielte er in der Paulskirche allerdings nicht. Daran wurde er schon durch sein Beinleiden gehindert.

Im Dezember 1848 wurde Schüler zusätzlich in den bayerischen Landtag gewählt, der im Januar 1849 zusammentrat. In Anknüpfung an seine 18 Jahre zurückliegende parlamentarische Erfahrung und eingedenk seiner damaligen Erfolge wurde Schüler zum Vorsitzenden des Finanzausschusses gewählt. In der Plenumsdebatte um die Antwortadresse auf die königliche Thronrede hielt Schüler eine "meisterhafte Rede über die Rechtsgültigkeit der Grundrechte, in welcher er die Argumente der Minister und aller anderen Gegner zerbröckelte". Die Debatte endete mit einem Sieg der Opposition. Als Kolb den Skandal um das griechische Anlehen aufdeckte, wurde er von Schüler unterstützt. Am 8. März vertagte die Regierung den aufsässigen Landtag mit dem fadenscheinigen Argument, alle bayerischen Paulskirchenabgeordneten sollten die Möglichkeit zur Teilnahme an den wichtigen Verhandlungen der Nationalversammlung haben. Schüler fuhr daraufhin wie auch Kolb und Stockinger zurück nach Frankfurt, ohne dort ihre republikanisch und großdeutsch ausgerichteten Vorstellungen in der Reichsverfassung verwirklichen zu können.

Dem im Mai beginnenden Pfälzer Aufstand stand Schüler ablehnend gegenüber. Er hatte erwogen, an der wichtigen Volksversammlung in Kaiserslautern am 1. Mai teilzunehmen, um mäßigend Einfluß zu nehmen. Er schätzte seine Popularität aber als zu gering ein und sah davon ab. Doch wurde Schüler auf dieser Versammlung in Abwesenheit in den eingerichteten "Landesverteidigungsausschuß" gewählt. Er lehnte die Wahl jedoch ab - mit der Begründung, er bewerte seine Wirkungsmöglichkeiten für die Reichsverfassung im Landtag höher als im Verteidigungsausschuß. Ebenso lehnte er seine Berufung in die provisorische Regierung der Pfalz ab, da er der 28köpfigen Landesvertretung die Legitimität absprach, für die Pfalz sprechen zu können. Schülers ablehnende Einstellung gegenüber dem Pfälzer Aufstand richtete sich - wie Baumann meint - nicht gegen die Revolution an sich, "sondern gegen den unbekümmerten Dilettantismus der Revolutionsmacher". Schüler bewertete die Mehrheitsmeinung der pfälzischen Bevölkerung sowie die Chancen des Aufstandes offenbar sehr viel realistischer. Ein weiteres Motiv der Ablehnung war wohl seine Abneigung gegen Gewalttätigkeiten.

Für den 15. des Monats war der Landtag wieder einberufen worden. Am 21. Mai nahm er eine Adresse an, die der Regierung die Mitarbeit kündigte, solange sie die Anerkennung der Reichsverfassung verweigerte. Schüler hatte diese von Kolb entworfene Adresse vor dem Landtag vertreten. Die Regierung antwortete mit dem Ausschluß der Pfälzer Abgeordneten aus der Kammer als Deputierte einer aufständischen Provinz. Bereits zuvor waren in der Pfalz radikale Stimmen der revolutionären Gegenseite laut geworden, die den pfälzischen Landtagsabgeordneten die Anerkennung entzogen, da die Abspaltung der Pfalz vom rechtsrheinischen Bayern ein unvermeidlicher Schritt sei. Nach ihrem Ausschluß begaben sich Schüler und Kolb noch in der Nacht in aller Eile auf die Rückreise nach Frankfurt, da sie in Bayern ihre Verhaftung zu befürchten hatten.

Von Frankfurt ging Schüler mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart. Am 6. Juni wurde er dort in die fünfköpfige Reichsregentschaft gewählt. Er erwog, diese Position zu nutzen, um in der Pfalz steuernd einzugreifen. Doch blieb er in Stuttgart und der Abgeordnete von Trützschler wurde als zweiter Reichskommissar (nach dem Abgeordneten Eisenstuck) in die Pfalz gesandt. Die Mission Trützschlers blieb ergebnislos.

Nachdem württembergisches Militär am 18. Juni das Rumpfparlament aufgelöst hatte, ging Schüler über die Schweiz nach Frankreich. Dennoch wurde er am 24. Juli dieses Jahres wieder in Landtag gewählt - in den Wahlkreisen Kirchheimbolanden-Kaiserslautern und Homburg-Kusel. Für Homburg-Kusel nahm er die Wahl an. Er kehrte gleichwohl nicht nach Bayern zurück, denn dort war die Strafverfolgung gegen ihn eingeleitet worden. Im Oktober stellte die Regierung den Antrag auf Aufhebung der parlamentarischen Immunität Schülers. Dem Antrag gab der Landtag nach hitziger Debatte statt; Schüler verzichtete auf sein Mandat. 1851 wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Schüler blieb im Exil in Frankreich, wo er politisch nicht mehr tätig war. Am 26. Juni 1873 starb er in Metz.

Carl Alexander Spatz

Carl Spatz wurde am 4. September 1810 als Sohn eines Kreisbaurats in Speyer geboren. 1828 bis 1832 studierte er in München und Heidelberg Rechtswissenschaft. Seit 1836 arbeitete er als Advokat-Anwalt in Frankenthal.

1848 wurde er Mitglied des Vorparlaments und in den Fünfzigerausschuß gewählt. Die Wähler seines Wohnortes Frankenthal bestimmten ihn im April zum Abgeordneten der Nationalversammlung (Wahlkreis Pfalz 2).

In der Paulskirche schloß er sich dem Deutschen Hof an. Er folgte dem Parlament bei seinem Umzug nach Stuttgart. Sein Eintrag in das Parlamentsalbum der Nationalversammlung weist Spatz als einen Gegner des Erbkaisertums aus.

Nach der Revolution blieb Spatz zunächst unbehelligt von staatlicher Verfolgung. 1853 wurde er jedoch wegen seiner Kontakte zu politischen Flüchtlingen in Frankreich als Rechtsanwalt suspendiert und mit einer Disziplinarstrafe belegt. Am 9. Juli 1856 starb Spatz in Frankenthal.

Georg Jakob Stockinger

Georg Stockinger wurde am 9. September 1798 in Odernheim geboren. 1818-21 studierte er in Jena Rechtswissenschaft. Seit 1830 arbeitete er in Frankenthal am Landgericht als Advokat. 1837 wurde er erstmals in die Münchener Ständeversammlung als Vertreter der Klasse der Landeigentümer gewählt, erneut in den Jahren 1846, 1847 und 1848; 1849 saß er für den Bezirk Germersheim / Bergzabern im Landtag. In der Ständeversammlung von 1847 hatte er den Posten eines zweiten Sekretärs inne.

Am 5. März 1848 nahm er an der Heidelberger Versammlung süddeutscher Parlamentsangehöriger teil, die zum Frankfurter Vorparlament einlud. Obwohl er vom Pfälzer Volksverein zur Wahl besonders empfohlen wurde, erhielt er in der Pfalz kein Mandat für die Nationalversammlung. Er wurde aber im schwäbischen Günzburg gewählt. Stockinger war in der Nationalversammlung Mitglied von Westendhall. Im Juni 1849 zog er ins Stuttgarter Rumpfparlament.

Im Landtag von 1849 war Stockinger neben Kolb der Führer der Linken, nachdem beide sich erfolgreich für die Überwindung der stammesmäßigen Abgrenzungen zwischen den Pfälzer Liberalen und ihren vor allem fränkischen und schwäbischen Gesinnungsfreunden eingesetzt hatten. Zusammen mit Willich formulierte Stockinger den Entwurf für die Adresse, mit der die Kammer zu Beginn der Landtagssession auf die Thronrede antwortete.

Wie die anderen pfälzischen Paulskirchenabgeordneten, die zugleich dem bayerischen Landtag angehörten, nahm Stockinger eine zurückhaltende Position gegenüber dem Pfälzer Aufstand ein: Nach der Absage der bayerischen Regierung an die Verfassung riet er dazu, keine übereilten Schritte einzuleiten und die weitere Entwicklung abzuwarten. Zusammen mit Schüler erwog er, an der Volksversammlung in Kaiserslautern am 1. Mai teilzunehmen, um zur Mäßigung aufzurufen. Beide sahen dann jedoch von einer Teilnahme ab, da sie ihre Einflußmöglichkeiten gering einschätzten.

In den Jahren nach dem Ende der Revolution wurde Stockinger nicht mehr in den Landtag gewählt.

Stockinger ist am 10. Januar 1869 in Frankenthal gestorben.

Franz Tafel

Am 19. September 1799 wurde in Deidesheim, nahe Neustadt, Franz Tafel geboren. Nach dem Studium der katholischen Theologie in Tübingen und Mainz (1817-23) wurde Tafel am 22. August 1823 zum Priester geweiht. Tafel war seit 1817 Mitglied der Burschenschaft Germania gewesen.

In der Anfangszeit seiner Tätigkeit hatte die Obrigkeit noch keine Probleme mit dem jungen Geistlichen. In einem Brief des Appellationsrates Molitor an den zuständigen Bischof von Speyer wird Tafel als "vortrefflicher, kraftvoller, eifriger Prediger gelobt". Nachdem ihm am 29. April 1825 die Pfarrei Freinsheim übertragen worden war, zeigten sich dann jedoch erste Differenzen zwischen dem Pfarrer und der Kirchenbehörde, die sich aus seiner freiheitlichen Einstellung und dem Vorwurf einer gewissen Pflichtvergessenheit gegenüber seinem Amt ergaben.

Offenbar sahen jedoch zahlreiche Gläubige in diesen Mißklängen keinen Anlaß am Charakter dieses Priesters zu zweifeln, denn im November 1829 wandten sich 59 z. T. hochstehende Zweibrücker Bürger in einer Petition an den Speyerer Bischof und baten um die Besetzung der freigewordenen Stelle ihrer Pfarrei mit Franz Tafel. Der Bischof kam der Bitte nach und schon am 30. November 1829 wurde Tafel zum Pfarrer in Zweibrücken ernannt, am 8. Mai des Folgejahres übernahm er dann das Amt. Ein paar Wochen später, am 29. Juni 1830, wurde Tafel in den Landrat des bayerischen Rheinkreises berufen.

Der Speyerer Bischof Geissel schilderte 1839 im Rückblick eine Umkehr Tafels zur "strengsten kirchlichen Orthodoxie" nach der Übernahme der Zweibrücker Pfarrei. Damals habe er gar gegen das revolutionäre Treiben Font gemacht. 1835 sei seine Einstellung infolge eines Streites mit dem damaligen Bischof Richarz jedoch erneut umgeschlagen. Seitdem nehme er eine entschieden oppositionelle Haltung ein.

Dennoch saß Tafel erstmals 1840 in der Ständeversammlung als der Vertreter der katholischen Geistlichkeit der Pfalz, ebenso in der folgenden Versammlung von 1842/43. Allerdings handelte Tafel als Abgeordneter zeitweise auch im Auftrag des Bischofs und brachte Wünsche der Diözese gegenüber dem Minister Abel und dem König vor.

1841 kam es zwischen dem Pfarrer und dem Ordinariat zu einem massiven Streit. Im folgenden Jahr wurde Tafel in einem kirchlichen Disziplinarverfahren vor dem Metropolitangericht Bamberg wegen "Verleumdung und Aufforderung des Diözesanklerus zum Ungehorsam gegen die geistliche Oberbehörde durch Verbreitung der Verteidigungsschrift eines vom Priesteramt suspendierten Kollegen" zur Abbitte vor der bischöflichen Behörde, zum Widerruf und zur Abhaltung achttägiger Exerzitien verurteilt. 1843 erhielt er wegen einer kirchenkritischen Rede in der bayerischen Ständeversammlung einen bischöflichen Verweis.

Seine politische Anschauung brachte Tafel zum Ausdruck, indem er die Errungenschaften der französischen Periode der Pfalz öffentlich verteidigte, namentlich die Gewerbefreiheit, die er als die Quelle des Wohlstandes betrachtete. Als 1847 in Kolbs "Neuer Speyerer Zeitung" eine Artikelreihe mit scharfen Angriffen gegen Geistliche und religiöse Gegenstände erschien, geriet Tafel in den Verdacht, der Verfasser zu sein. Doch Tafel bestritt dieses mit einem Schwur.

Im April 1848 wurde Tafel von den Wählern des Bezirks Zweibrücken in die Nationalversammlung gesandt. Werner Marx sieht die Basis für Tafels Wahlerfolg in der Unterstützung durch die liberalen Katholiken sowie Teile des Klerus. Daß Tafel unter den Geistlichen mehr Unterstützung fand als der Kirchenleitung lieb sein konnte, hatte ja schon seine zweifache Wahl in die Ständeversammlung als Vertreter dieser Klasse bewiesen. Darüber hinaus wurde der Zweibrücker Pfarrer auch durch den Wahlaufruf des Pfälzer Volksvereins empfohlen.

In der Paulskirche gesellte sich Tafel zu den Fraktionen des Deutschen Hofs und zeitweise des Nürnberger Hofs. Er zeigte sich in seinen politischen Positionen als Demokrat und Gegner der Klerikalen: Er trat für das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie der Bildung neuer Religionsgemeinschaften ein, er stimmte für die obligatorische Gemeindepfarrerwahl und lobte die Pfälzer Institution der Ziviltrauung. Sein Votum gegen die Trennung von Kirche und Staat begründete er mit seiner Befürchtung, diese könnte die kirchliche Hierarchie noch stärken und den Gewissenszwang auf ihre Glieder verschärfen. Bei dem für ihn zuständigen Ordinariat erregten seine Äußerungen in Frankfurt begreiflicherweise Mißfallen.

Im Mai / Juni 1849 ging Tafel mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart.

Im Dezember 1848 war Tafel nach 15 Jahren wieder in die - nun Landtag genannte - Abgeordnetenkammer von 1849 gewählt worden. Er vertrat hier den Wahlbezirk Speyer-Frankenthal. Nach Ausbruch des Pfälzer Aufstands wurde Tafel wie die übrigen pfälzischen Landtagsabgeordneten von der Regierung suspendiert (24.5.1849). Die Parlamentslinke antwortete auf diesen Schritt mit dem Boykott der Kammersitzungen. Der so arbeitsunfähig gewordene Landtag wurde vom König am 10. Juni aufgelöst. Bei den Neuwahlen im Juli 1849 errang Tafel erneut ein Landtagsmandat, dieses Mal in Zweibrücken-Pirmasens.

Als am 17. September 1849 die Beratungen des neuen Landtags aufgenommen wurden, waren zahlreiche Pfälzer linker Anschauung nicht mehr im Parlament vertreten, da sie im Exil oder in Haft waren oder bei den Wahlen durchgefallen waren. Ein großer Teil der in der Kammer anwesenden Linken rückte dem herrschenden Zeitgeist folgend nach rechts - nicht jedoch Tafel, der sich der Reaktion entgegenstellte. Energisch beharrte er auf der Gültigkeit der Reichsverfassung, indem er die souveräne Entscheidung des deutschen Volkes hervorhob, das durch die Nationalversammlung repräsentiert worden war. Gleichzeitig griff er die Fürsten an: "Hätten die Fürsten jenes Maß von Mäßigung und Uneigennützigkeit, welches das Volk an den Tag gelegt, ich bin überzeugt, jene Verfassung würde lebendig fest und unerschütterlich stehen." Doch die Aussichtslosigkeit von Tafels Rhetorik wurde spätestens offenbar, als die Kammer die regierungsfreundliche Antwortadresse an den König mit 127 Stimmen annahm - allein Tafel sowie je ein weiterer Abgeordneter von der Parlamentslinken und -rechten votierten dagegen.

Die Debatte um die Aufhebung von Schülers parlamentarischer Immunität war ein weiterer Anlaß für einen großen Auftritt Tafels in der Kammer. In einer kämpferischen Rede verteidigte er seinen Gesinnungsfreund und widerlegte die gegen diesen erhobenen Vorwürfe: Er belegte Schülers Abneigung gegen die gewaltsamen Ausschreitungen und stellte seine Position in Relation zum Verhalten angesehener Bürger, die sich der Aufstandsbewegung nicht ferngehalten hatten, nun aber z. T. auf der Seite der Anklage gegen Schüler standen. Schließlich hob er die Verantwortlichkeit der bayerischen Regierung hervor, die den Pfälzer Aufstand verursacht habe, indem sie die Anerkennung der Reichsverfassung verweigert hatte. Er nutzte dieses Argument zu einem Exkurs, in dem er ein weiteres Mal seine Wertschätzung für die deutsche Verfassung zum Ausdruck brachte.

Werner Marx' Urteil über die rhetorischen Auftritte Tafels lautet, wie folgt: "... zeigt sich ... in Tafel einer jenen Männer, die republikanische Ideen mit Scharfsinn und Pathos in diese Versammlung [den Landtag] tragen, er ist ein Pfälzer ganz vom Horizonte der Volkssouveränität umfangen ... . Seine Wirkung liegt nicht nur in der Kraft seiner Worte, sondern auch darin, daß er den schwarzen Rock des katholischen Geistlichen trägt."

Tafel gehörte noch den Landtagen von 1851/52, 1853/55, 1863/65 und 1866/69 (seit 1863 für den Wahlkreis Kirchheimbolanden-Kaiserslautern) an.

Das bischöfliche Ordinariat strengte nach der Revolution ein Disziplinarverfahren gegen ihn an, das ihn 1851 sein Pfarramt und seine Pensionsberechtigung entzog. In den folgenden Jahren lebte er in Zweibrücken bei Gustav Gulden, einem Freund und ehemaligen Kollegen in der Paulskirche. Seit 1863 erhielt er wieder kirchliche Unterstützungszahlungen. Am 25. Februar 1869 starb Franz Tafel in München.

Philipp Friedrich Umbscheiden

Philipp Umbscheiden wurde am 8. Oktober 1817 in Grünstadt geboren. Zwischen 1834 und 1840 studierte er in Erlangen und Würzburg Jura. Er gehörte in Erlangen der Burschenschaft Germania und dem Studentenkorps Baruthia an. 1847 wurde er in Dahn Friedensrichter, im März 1848 in Kaiserslautern Staatsprokuratorsubstitut (= Gehilfe des Ersten Staatsanwalts).

Im April 1848 erhielt Umbscheiden bei den Wahlen der Abgeordneten zur Nationalversammlung im ersten pfälzischen Wahlkreis (Bergzabern) die dritthöchste Stimmenzahl vor A. Culmann. Er erhielt dennoch das Mandat, da der erstplazierte Kolb gleichzeitig in Speyer und der zweitplazierte Schüler in Lauterecken gewählt worden waren und an diesen Orten die Wahl annahmen.

In Frankfurt schloß sich Umbscheiden dem Nürnberger Hof an. Im Juni 1849 zog er mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart. Nach dessen Auflösung floh er in die Schweiz.

Aufgrund seiner Teilnahme am Rumpfparlament wurde gegen Umbscheiden ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das 1850 zu seiner Zwangspensionierung führte. 1852 wurde er gar in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Nach seiner Rückkehr in die Pfalz gelang ihm ein Wiedereinstieg in die Politik: In den Legislaturperioden 1859/61, 1863/65, 1866/69 und 1870/71 gehörte er dem bayerischen Landtag an. Auch beruflich wurde Umbscheiden rehabilitiert: Noch 1866 lautet seine Berufsangabe im Landtagsverzeichnis "quiescierter Staatsprokuratorsubstitut in Dürkheim"; am 1.4.1868 wurde er jedoch zum "Appellationsgerichtsrat in Zweibrücken" befördert. Am 9.7.1872 starb er.

Die Gruppe der Pfälzer Abgeordneten

Nach der Darstellung der Lebensläufe der Abgeordneten soll nun der Frage nach den Merkmalen der Gruppe der pfälzischen Abgeordneten nachgegangen werden: Wodurch zeichneten sich die Pfälzer Abgeordneten in ihrer Gesamtheit aus - im Vergleich mit den Abgeordneten aus dem rechtsrheinischen Bayern und den anderen in der Paulskirche vertretenen Regionen Deutschlands? Welche Gemeinsamkeiten sind in der Gesamtschau aller Mandatsträger der bayerischen Pfalz zu erkennen?

Das wesentlichste Merkmale zur Beurteilung von politischen Persönlichkeiten ist natürlich ihre politische Anschauung. Im Falle der pfälzischen Abgeordneten ergibt sich das erstaunliche Bild, daß sie ausnahmslos der politischen Linken in der Paulskirche zuzuordnen sind. Die am 30. April 1848 gewählten pfälzischen Abgeordneten verteilten sich auf die Fraktionen der demokratisch orientierten Westendhall (Stockinger, Glaß), des gemäßigt republikanischen Nürnberger Hofs (Umbscheiden, Tafel), des etwas stärker republikanisch ausgerichteten Deutschen Hofs (Gulden, Spatz, Christmann, Kolb) und des Donnersbergs, der die äußerste Linke der Paulskirche darstellte (Reichard, Schmitt, Schüler). Nach seinem Eintritt in die Nationalversammlung im November schloß sich auch Culmann dem Donnersberg an. Damit gehörten sämtliche Pfälzer einem linken Fraktionsspektrum an, das nur ca. 22% der Abgeordneten der Nationalversammlung stellte. (Die beiden als Nachfolger erst ins Rumpfparlament eingetretenen Abgeordneten Berkmann und Ritter waren ebenfalls von linker Gesinnung.). Die auffallende politische Eingruppierung der Pfälzer Abgeordneten läßt sich durch eine weitere Zahl verdeutlichen: Nur sieben Abgeordnete des rechtsrheinischen Bayern (von insgesamt 76, inklusive Ersatzmännern) schlossen sich den genannten Fraktionen an; dabei fällt unter diese Zahl noch der in Schwaben gewählte Pfälzer Stockinger. Die linke Einstellung der Pfälzer manifestierte sich in ihrem Abstimmungsverhalten bei der Kaiserwahl am 28. März 1849: Geschlossen lehnten sie die Übertragung der Erbkaiserwürde auf den preußischen Monarchen ab.

Trotz der linken Gesinnung aller pfälzischen Abgeordneten traten im Frühling 1849 nur zwei von ihnen aus dem Parlament aus, um sich am Pfälzischen Aufstand zu beteiligen (Schmitt, Reichard); Culmann, der sich vorübergehend im Landesverteidigungsausschuß engagiert hatte, gab sein Mandat nicht auf und kehrte ins Parlament zurück. Die übrigen Mandatsträger zogen sich jedoch nicht aus der Politik zurück - was wohl angesichts der Entwicklung im Hinblick auf das Eigeninteresse opportun gewesen wäre. Sie folgten vielmehr dem Parlament nach Stuttgart. Offenbar wollten sie den parlamentarischen Weg nicht verlassen und ihn bis zu seinem Ende gehen.

Noch am 29. April 1849 hatten alle pfälzischen Abgeordneten als Reaktion auf die Ablehnung der Reichsverfassung eine Resolution unterzeichnet, die die Pfälzer dazu aufrief, "sich in den Verteidigungszustand zu setzen ... um nötigenfalls der Gewalt mit der Gewalt entgegenzuwirken". Gleichzeitig forderten sie aber auch, "die gesetzliche Grenzlinie nicht zu überschreiten, solange die Staatsregierung nicht zu Akten der Gewalt schreitet." Die revolutionäre Entwicklung in der Pfalz in den folgenden Tagen betrachtete die Mehrzahl der pfälzischen Abgeordneten mit Sorge: Am 4. Mai bedrängten sie Ministerpräsident Heinrich von Gagern, einen Reichskommissar in die Pfalz zu entsenden, der zur Herstellung der Ordnung beitragen sollte. Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Aufstand ist uns insbesondere für Kolb, Schüler und Stockinger überliefert (siehe die Lebensläufe der Abgeordneten im vorangegangenen Kapitel).

Die Nationalversammlungsabgeordneten der Pfalz waren also - mit Ausnahme Reichards und Schmitts - keine linksrevolutionären Draufgänger, sondern überzeugte Parlamentarier, die der Legalität ihres Handelns einen großen Wert beimaßen.

Das führt zu der Frage, welchen Persönlichkeiten die Wahlmänner am 30. April 1848 und bei den Nachwahlen den Vorzug gaben, um die Pfalz in der Nationalversammlung zu repräsentieren. Welche Kriterien wurden bei der Kandidatenauswahl angewendet? Welcher Personengruppe gehörten die gewählten Abgeordneten an?

Dazu ist zunächst die Frage nach Ausbildung und Beruf der Mandatsträger zu stellen.

Betrachtet man die Abgeordneten unter diesem Gesichtspunkt, fällt auf, daß zwölf der 14 Abgeordneten eine Universität besucht haben (nur Kolb und Ritter nicht). Davon haben zehn Rechtswissenschaft studiert. Sieben sind Rechtsanwälte geworden, einem weiteren (Schmitt) war im Vormärz die Zulassung verweigert worden.

Daneben sind als Berufsgruppen unter den Pfälzer Abgeordneten vertreten: Journalisten (Kolb, Schmitt), Pfarrer (Tafel, kath.; Berkmann, protest.), Gutsbesitzer (Christmann [mit akademischer Vorbildung], Ritter, Schüler), Staatsanwälte (Umbscheiden), Bürgermeister (Ritter, Kolb).

Die Abgeordneten entstammten damit einer Gruppe, die man als bürgerliche Intelligenz beschreiben kann.

Der politische Werdegang der zur Wahl stehenden Kandidaten war gewiß ein weiteres Auswahlkriterium der Wahlmänner.

Sieben Abgeordnete hatten bereits im Vormärz die Gelegenheit gehabt, parlamentarische Erfahrung zu sammeln: In der zweiten bayerischen Kammer hatten Christmann (1843-1848), Schüler (1831), Stockinger (1837, 1846, 1847) und Tafel (1840, 1842/43) bereits einen Sitz eingenommen; im pfälzischen Landrat, einem dem Regierungspräsidenten zur Seite gestellten, rein beratendem Gremium, hatten schon Tafel und Ritter (neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister) gesessen; Kolb und Schmitt waren immerhin Mitglied im Stadtrat ihrer Heimatstadt gewesen. Anzunehmen ist, daß neben Kolb und Reichard, deren Mitgliedschaft im Speyerer Turnverein verbürgt ist, noch weitere Pfälzer der Paulskirche über die Tätigkeit in Vereinen demokratische Verfahrensweisen eingeübt und einen gewissen Bekanntheitsgrad erworben hatten.

Acht Abgeordnete hatten im Vormärz wegen ihrer politischen Einstellungen Erfahrungen mit Repressionen seitens der Staatsmacht bzw. der ihr verbundenen Kirchen (Tafel, Berkmann) machen müssen. Die gegen sieben von ihnen eingeleiteten juristischen Verfahren hatten für fünf mit Freispruch oder Verfahrenseinstellung geendet; dagegen war Ritter zu einer Freiheitsstrafe von 14 Tagen, Schüler zu zehnjähriger Landesverweisung und anschließender ebenso langer Polizeiaufsicht verurteilt worden. Schüler hatte das Exil der Polizeiaufsicht vorgezogen und verblieb bis 1848 in Frankreich. Gegen vier spätere Abgeordnete war im Zusammenhang mit ihrer Teilnahme am Hambacher Fest bzw. wegen damit in Zusammenhang stehender Veröffentlichungen und Aussagen juristisch vorgegangen worden. Gegen zwei waren wegen ihrer burschenschaftlichen Betätigungen Untersuchungen eingeleitet worden. Insgesamt waren sechs der Abgeordneten Mitglieder einer Burschenschaft gewesen. Im "Schwarzen Buch" - das "Verzeichnis derjenigen Personen, gegen welche nach den Akten der Bundeszentralbehörde bezüglich revolutionärer Umtriebe im Untersuchungswege eingeschritten worden ist" (so die offizielle Bezeichnung durch die Bundeszentralbehörde) - waren sechs der späteren Pfälzer Abgeordneten erfaßt.

Die Oppositionellen hatten auch mit beruflichen Nachteilen zu rechnen. Insbesondere gegen die Juristen standen dem Staat Mittel zur Verfügung, mißliebiges Verhalten zu strafen (Schmitt, Gulden). Ähnliches gilt für die Pfarrer Berkmann und Tafel, die in Schwierigkeiten mit ihren Kirchen gerieten.

Der Weg in die Paulskirche führte also für viele Abgeordnete über die vorangegangene direkte Konfrontation mit dem Staat. Opfer politischer Verfolgung gewesen zu sein, galt offenbar bei den pfälzischen Wahlmännern als Ausweis für die richtige Gesinnung. Der trotz seines Exils unvergessene Schüler wurde damals auf diese Weise für sein beherztes politisches Engagement in den frühen dreißiger Jahren belohnt.

Zu guter Letzt folgten in acht der zehn pfälzischen Wahlkreise die Wahlmänner der Empfehlung des Kreisausschusses des "Pfälzer Volks- und Vaterlandsvereins"; ein weiterer vorgeschlagener Kandidat, Culmann, gelangte über eine Nachwahl ins Parlament. Dieser Verein wurde als Dachorganisation der liberal-demokratischen Vereine der Pfalz am 9. April 1848 in Kaiserslautern gegründet. Am 25. April erließ er einen Aufruf an die Pfälzer und veröffentlichte eine Vorschlagsliste, die ausgewählte Persönlichkeiten für die zehn Bezirke zur Wahl empfahl. Diese Vorgehensweise erinnert bereits an die Methoden der Kandidatennominierung in modernen Parteiendemokratien. Da auch die beiden nicht zur Wahl empfohlenen Abgeordneten Christmann und Umbscheiden sich in ihrer Gesinnung nicht von den anderen Gewählten unterschieden, gelang der demokratisch-liberalen Bewegung ein vollkommener Sieg gegenüber Gemäßigt-Liberalen, Konservativen und dem politischen Katholizismus.

Das Verständnis für die politischen Haltung der Pfälzer in der Nationalversammlung kann vielleicht durch einen Blick auf ihre politische Sozialisation erleichtert werden.

Friedrich Schüler war mit 56 Jahren der älteste Pfälzer, der in die Paulskirche einzog. Er war in einer Zeit aufgewachsen, in der die Pfalz zur französischen Republik gehörte; er hatte sein Studium im französischen Straßburg und im napoleonisch regierten Königreich Westphalen absolviert und dabei die liberalen Prinzipien des revolutionären Frankreich kennengelernt. Aber auch die anderen Pfälzer, die die französische Periode der Pfalz nicht bewußt miterlebt hatten oder gar erst im Königreich Bayern geboren worden waren, kamen in den Genuß der freiheitlichen Institutionen, die der Pfalz weiterhin gewährt wurden. Von diesem gesellschaftlichen Umfeld ging offenbar eine prägende Wirkung auf die Geisteshaltung der maßgeblichen, politischen Persönlichkeiten sowie ihrer Wähler aus.

Schlußwort

Die Bedeutung der Pfälzer Abgeordneten in der Nationalversammlung ist als eher gering einzuschätzen. Keiner von ihnen entfalteten eine auffallende Aktivität im Parlament. M. Baus suchte diesen Umstand zu relativieren, indem er darauf hinwies, daß die weitgehende Wirkungslosigkeit der Pfälzer nicht zuletzt aus ihrer Zugehörigkeit zur prinzipientreuen Minderheit resultierte. Doch bleibt es dabei: Keine der hier dargestellten Personen ist zu den prägenden Gestalten der Paulskirche zu zählen.

Gleichzeitig bildeten die Pfälzer Nationalversammlungsabgeordneten eine landsmannschaftliche Gruppe von relativ großer Geschlossenheit. Über die durchlässigen Fraktionsgrenzen hinweg waren sie durch persönliche Bekanntschaft und Freundschaft miteinander verbunden.

Die Gemeinsamkeit brach mit dem Ausbruch des Pfälzischen Aufstands. Während die Mehrheit der Abgeordneten aus der Pfalz der gewaltsamen Auflehnung ablehnend gegenüberstanden, stellten sich Reichard und Schmitt an die Spitze der Aufstandsbewegung. Trotz der offensichtlichen Wirkungslosigkeit parlamentarischen Handelns nach der Ablehnung der Reichsverfassung durch den preußischen wie durch den eigenen bayerischen König, hielten die übrigen pfälzischen Abgeordneten am Handlungsprinzip der Legalität fest und lehnten die außerparlamentarische Aktion weiterhin ab. Allerdings folgten sie auch nicht der Mehrheit der bayerischen Abgeordneten, als diese Anfang Mai aus der Nationalversammlung auszog und sich damit gegenüber der Monarchie gehorsam zeigte. Sämtliche Pfälzer, die sich nicht aktiv am Aufstand in der Heimat beteiligten, harrten bis zum Ende des Rumpfparlaments aus.

Als Folge ihres Handelns erlebten die Abgeordneten nach dem endgültigen Scheitern der Revolution die politische Verfolgung durch die Reaktion. Die verhängten Strafen waren hart, doch konnte an keinem der zum Tode Verurteilten das Urteil vollstreckt werden. Davor bewahrte sie die Flucht ins Ausland. Während Reichard, Schmitt, Schüler und Berkmann ihren Wohnsitz bis zum Lebensende am Exilort nahmen, kehrten andere - von dem wieder stabilisierten Staat amnestiert - in ihre Heimat zurück, hielten sich aber künftig von der Politik fern (Culmann). Einige ehemalige Paulskirchenabgeordnete blieben ihren politischen Anschauungen auch in der Heimat treu und der reaktionären Monarchie feind (Kolb, Tafel), andere vollzogen den politischen Wechsel und arrangierten sich wie viele Liberale in dieser Zeit mit den einstigen Gegnern (Gulden).

Bewertung durch Prof. Dr. B. Wunder: Recht gute und präzise Arbeit.

Literaturverzeichnis:

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· Baus, Martin, "... schätze ich mich glücklich, aus dem Zweibrücker Schlendrian herausgerissen zu sein". August Ferdinand Culmann im französischem Exil, in: Hans-Walter Herrmann (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 163-170.

· Baus, Martin, August Ferdinand Culmann als Abgeordneter zur Paulskirche, in: Hans-Walter Herrmann (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 121-134.

· Becker, Bernhard, Der widerwillige Revolutionär, in: Hans-Walter Herrmann (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 135-145.

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· Herrmann, Hans-Walter, August Ferdinand Culmann - Anwalt, Abgeordneter, Unternehmer (1. August 1804-13. September 1891). Eine Einführung des Herausgebers, in: ders. (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 9-16.

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· Krautkrämer, Emar, Georg Friedrich Kolb (1808-84). Würdigung seines journalistischen und parlamentarischen Wirkens im Vormärz und in der deutschen Revolution. Ein Beitrag zur pfälzischen Geschichte des 19. Jarhunderts und zur Geschichte des deutschen Frühliberalismus, Meisenheim am Glam 1959.

· Kuby, Alfred Hans, Die Familie Culmann, in: Hans-Walter Herrmann (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 37-43.

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· Volz, Günther, Die Bergzaberner Linie der Familie Culmann. Vom Ende des Alten Reichs bis zum Beginn der bayerischen Herrschaft, in: Hans-Walter Herrmann (Hg.), Zwischen demokratischem Aufbegehren und industieller Revolution: August Ferdinand Culmann (1804-1891), Sigmaringen 1993, S. 45-61.

· Wettengel, Michael, Das liberale und demokratische Vereinswesen in der Pfalz während der Revolution 1848/49, in: Jahrbuch zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern, Band 22/23 (1984/85). Die Pfälzische Revolution 1848/49 im Umfeld von Kaiserslautern, Otterbach 1986, S. 73-90.

· Wolff, Gustav, Die Pfälzer in der Nationalversammlung. in: Die Rheinpfalz Nr. 187 (1949), S.3.

· Zucker, A. E., Biographical Dictionary Of The Forty-Eighters, in: A. E. Zucker (Hg.), The Forty-Eighters. Political Refugees Of The German Revolution of 1848, New York 21967.

Anhang

Die Pfälzer Wahlkreise und ihre Abgeordneten:
Wk Pfalz 1 Bergzabern Umbscheiden (18.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 2 Frankenthal Spatz (18.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 3 Homburg Gulden (18.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 4 Kaiserslautern Schmitt (18.5.48-30.5.49), Ritter (13.-18.6.49)
Wk Pfalz 5 Kirchheimbolanden Reichard (18.5.48-30.5.49), Berkmann (13.-18.6.49)
Wk Pfalz 6 Landau Glaß (18.5.48-5.9.48), Culmann (27.11.48-18.6.49)
Wk Pfalz 7 Lauterecken Schüler (18.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 8 Neustadt (Weinstraße) Christmann (19.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 9 Speyer Kolb (18.5.48-18.6.49)
Wk Pfalz 10 Zweibrücken Tafel (18.5.48-18.6.49)

Die Pfälzer Abgeordneten im Überblick:

- Berkmann, Adolf

*20.5.1802 Waldmohr (Pfalz), + 1870 New York, ev.

ev. Pfarrer, Einselthum

- Christmann, Rudolph

*14.12.1814 Dürkheim, + 20.10.1867 München, ev.

Weingutsbesitzer, Dürkheim

- Culmann, August Ferdinand

*1.8.1804 Bergzabern, + 13.9.1891 Gut Philippsburg bei Ommersheim (Pfalz), ev.

Rechtsanwalt, Zweibrücken

- Glaß, Dr. jur. Maximilian

*30.12.1816 Ansbach, + 25.5.1855 Landau, kath.

Rechtsanwalt, Landau

- Gulden, Gustav Adolph

*18.12.1808 Mörzheim bei Landau, + 7.4.1882 Zweibrücken, ev.

Rechtsanwalt, Zweibrücken

- Kolb, Georg Friedrich

*14.9.1808 Speyer, + 15.5.1884 München, ev.

Buchdruckereibesitzer, Zeitungsherausgeber, Publizist und Bürgermeister (seit 1848), Speyer

- Reichard, Joseph Martin

*23.9.1803 Untergrehweiler bei Rockenhausen, + 14.5.1872 Philadelphia, kath.

Anwalt und Notar, Speyer

- Ritter, Carl

*5.3.1794 Frankenstein (Pfalz), + 13.8.1863 Kaiserslautern, ev.

Gutsbesitzer und Posthalter, Frankenstein

- Schmitt, Nicolaus

*21.1.1806 Kaiserslautern, + 1860 Philadelphia, kath.

Rechtsberater und Redakteur, Kaiserslautern

- Schüler, Friedrich

*19.8.1791 Bergzabern, + 26.6.1873 Metz, ev.

Rechtsanwalt, Zweibrücken

- Spatz, Carl Alexander

*4.9.1810 Speyer, + 9.7.1856 Speyer, ev.

Rechtsanwalt, Frankenthal

- Stockinger, Georg Jakob

*9.9.1798 Odernheim (Pfalz), + 10.1.1869 Frankenthal, ev.

Rechtsanwalt, Frankenthal

- Tafel, Franz

*19.9.1799 Deidesheim, +25.2.1869 München, kath.

kath. Pfarrer, Zweibrücken

- Umbscheiden, Philipp

*8.10.1816 Grünstadt, + 9.7.1872 Dürkheim, ev.

Friedensrichter, Dahn (1847-März 1848), Staatsprokurator-Substitut, Kaiserslautern (März 1848-1850)
Wahlvorschlag des Pfälzer Volksvereins: gewählt
- Culmann
- Glaß X
- Gulden X
- Hepp
- Kolb X
- Reichard X
- Schmitt X
- Schüler X
- Spatz X
- Stockinger
- Tafel X
nicht auf der Vorschlagsliste: gewählt
- Christmann X
- Umbscheiden X

- Stockinger: in einem schwäbischen Wk gewählt
 

Pfälzer Abgeordnete in der bayerischen Ständeversammlung 1848:

Klasse III:

- Riede, Nikolaus

Dekan und Pfarrer in Waldsee

- Scholler, Carl Friedrich

Dekan und Pfarrer in Homburg

Klasse VI:

- Eppelsheimer, Eduard

Rentner und Gutsbesitzer in Dürkheim

- Hack, Philipp

Holzhändler und Gutsbesitzer in Kaiserslautern

- Christmann, Rudolph

Gutsbesitzer in Dürkheim

- Willich, Dr. Friedrich Justus

Advokat in Frankenthal

- Jordan, Ludwig Andreas jr.

Weingutsbesitzer in Deidesheim

Klasse V:

- Brunck, Friedrich

Gutsbesitzer in Winterborn

- Benzino, Ludwig

Gutsbesitzer in Kusel

- Benzino, Joseph

Gutsbesitzer in Kusel

- Heintz, Carl Friedrich

Appellationsgerichtrat in Zweibrücken

- Lilier, Adolf

Rentner in Zweibrücken

- Reudelhuber, Georg

Ökonom, Müller und Bürgermeister in Obermoschel

- Kern, Ludwig

Ökonom und Bürgermeister in Böchingen

- Stockinger, Jakob

Anwalt in Frankenthal

- Wolf, Carl Heinrich

Gutsbesitzer in Wachenheim

durch LT-Wahlgesetz vom 4. Juni 1848 (?) in die Kammer berufen:

(Kolb nahm die Berufung nicht an)

- Kolb, Georg Friedrich

Redakteur in Speyer

- Dümmler, Karl

Gutsbesitzer in Waldmohr

- Hoffmann, Ferdinand

Müller in Stelzheim

Heintz war am 11.3.1848 zum 1. Präsidenten erwählt und ernannt worden, 8 Tage später wurde er Justizminister, am 14.4. wurde er zum lebenslänglichen Reichsrat ernannt; damit trat er aus der Kammer aus und Josef Benzino folgte ihm.

Kern verließ am 27.3. die Kammer.

Schumacher war nicht in der K. d. A. anwesend.

Pfälzer Abgeordnete im bayerischen Landtag 1849:

Wahlbezirk I:

- Boyé, Adolf

Richter in Frankenthal

- Heintz, Philipp

Anwalt in Frankenthal

- Tafel, Franz

Pfarrer in Zweibrücken

Wahlbezirk II:

- Kolb, Georg Friedrich

Redakteur in Speyer

- Hepp, Dr. Philpp

prakt. Arzt in Neustadt

- Kohlhepp, -

Bahnhofsverwalter in Hassloch

Wahlbezirk III:

- Willich, Dr. Friedrich Justus

Anwalt in Frankenthal

- Stockinger, Jakob

Anwalt in Frankenthal

- Eckard, Johann

Pfarrer in Gönnheim

- Culmann, August

Anwalt in Zweibrücken

Wahlbezirk IV:

- Eymann, Peter

Bürgermeister in Frankenstein

- Berkmann, Adolph

Pfarrer in Einselthum

- Hack, Philipp

Handelsmann in Kaiserslautern

Wahlbezirk V:

- Schüler, Friedrich

Literat in Zweibrücken

- Scharpff, Carl

Landkommissariatsaktuar

- Gelbert, Peter

Pfarrer in Landau

Wahlbezirk VI:

- Greiner, Dr. Ludwig

Rechtspraktikant in Thaleischweiler

- Haunitz, Dr. August

prakt. Arzt

- Müller, Adam

Gutsbesitzer in Gerhardsbrunn
 

Fraktionen (von links nach rechts):
D = Donnersberg (äußerste Linke)

DH = Deutscher Hof (Linke)

NH = Nürnberger Hof (gemäßigte Republikaner)

Wh = Westendhall (linkes Zentrum)

# = Fraktion unbekannt

bkF = bei keiner Fraktion

Fraktionsangehörigkeit der Pfälzer Abgeordneten:
Donnersberg Deutscher Hof Nürnbg.er Hof Westendhall bkF Fr. unbek.
Reichard Gulden Tafel Stockinger Berkmann Glaß
Schmitt Spatz Umbscheiden Ritter
Schüler Christmann
Culmann Kolb