Der Totenkopf




Es war einmal ein Mann, der etwas verbrochen hatte und deshalb im Zuchthaus gewesen war.
Als er zurückgekehrt war, ging er am Heiligabend in die Kirche.
Nun war es so Brauch, daß man sich zum Weihnachtsfest Gäste ins Haus lud. Und so wartete er denn, daß auch er von jemandem eingeladen würde. Das tat jedoch niemand. Deshalb wollte er nun versuchen, irgend jemanden zu sich einzuladen, damit er an dem Abend nicht alleine sein müßte.
Als er über den Kirchhof ging, war er ganz allein. Alle anderen waren bereits gegangen. Da kam er an einem Totenkopf vorüber.
Der Mann trat gegen den Totenkopf.
"Wenn niemand anderes kommen will, dann komm du halt!" sagte er.
Also kam der Totenkopf, aber der Mann konnte ihn nicht sehen. Nach einer Weile war es dem Mann. als höre er es neben sich einige Male laut lachen, doch sehen konnte er niemanden. Am nächsten Heiligabend erschien der Totenkopf und verabschiedete sich.
Er sagte: "Ich danke dir, daß du mich eingeladen hattest. Nun bin ich von einem Weihnachten bis zum anderen hiergewesen und muß jetzt gehen."
Da sagte der Mann :
"Bist du es, den ich dreimal habe lachen hören ? Ich würde gern wissen, worüber du gelacht hast."
"Nun ja, das will ich dir sagen"", meinte der Totenkopf. "Das erste Mal habe ich gelacht, als du im Wald warst, um Holz zu holen. Da war dein einer Holzschuh entzweigegangen, und du hast eine Wurzelfaser ausgegraben, um ihn damit zusammenzubinden. Hättest du aber etwas tiefer gegraben, dann wärest du auf eine Geldkiste mit so viel Geld gestoßen, daß du sowohl diesen Ort als noch einen dazu hättest kaufen können. Doch du warst zu dumm, um sie zu sehen", sagte er. "Und darüber mußte ich lachen."
"Und das zweite Mal war beim Gottesdienst in der Kirche", erzählte er weiter. "Sehr viele Leute waren da und der Teufel auch, und er stand neben der Kanzel und schrieb die Namen derer auf, die während der Predigt des Pastors schliefen. Und weil sehr viele schliefen, war die Kalbshaut, auf die er schrieb, schnell voll. Da schickte er sich an, in die Ecken zu beißen und an ihnen zu zerren. um sie auszudehnen und mehr Platz zu bekommen. Und als er die Haut so dehnte, rutschte sie ihm zwischen den Zähnen weg, und er schlug mit dem Kopf gegen die Kanzel, daß es nur so dröhnte. Da mußte ich lachen ", meinte er.
"Und das dritte Mal war heute abend, als du wegen der Unterirdischen Stahl an der Tür anbrachtest und Teerkreuze an die Wände maltest. Da sah ich, wie durch alle Ritzen und Löcher blau und grüngekleidete kleine Wesen schlüpften und um dich herumwirbelten. Und da mußte ich mächtig lachen", sagte er.
"Nun möchte ich dir noch für deine Wohltätigkeit danken", sagte der Totenkopf.

Erzählung aus Norwegen