Megalithen
 

Worte

Megalithen findet man überall auf der Welt: von Schweden über Dänemark und Deutschland, England Frankreich und Spanien, am Schwarzen Meer, aber auch in Korea, Indien (in Dekhan alleine über zweitausend), in Syrien und Palästina, sowie im Senegal.
Megalithen sind Steindenkmäler und sie treten in verschiedenen Formen auf. Es gibt Menhire, Dolmen, Cairns, um die gebräuchlichsten zu nennen.
Die einfachste Form ist der Menhir: Ein aufgerichteter Stein, ein langer (hir) Stein (men).
Menhire stehen einzeln oder in Gruppen. Eine Reihe (oder zwei parallele Reihen) von Menhiren bezeichnet man als Alignment, während ein Cromlech eine halbkreisförmige Anordnung von Einzelsteinen bezeichnet - crom im Bretonischen meint krumm. Alignments können sich schon mal über eine Länge von über einem Kilometer hinziehen, wie in Carnac, wo 1169 Steine auf einer Länge von 1167 Metern stehen.
Dolmen (dol = Tisch) sind Menhire mit Dach: Mehrere Steine bilden die Wand, darüber liegt ein Deckstein - das ist die einfache Form des Dolmen. Die Sache lässt sich erweitern, indem sich an den Dolmen, die eigentliche Kammer, ein Gang anschließt. Weiterhin kann ein Gang in mehrere Kammern führen. Der Sinn einer solchen Kammer als Grabstätte liegt fast auf der Hand und in der Tat dienten sie auch diesem Zweck. Ausserdem kann auch ein Gang für sich alleine stehen und wird dann als allée couverte bezeichnet.
Die Weiterentwicklung dieser Form führt zum Cairn oder Tumulus. Dabei wird der Dolmen ganz einfach mit Erde oder Steinen überschüttet und so zum Grabhügel. Vermutlich gab es früher gar keine Dolmen, sondern nur Cairns, die im Laufe der Zeit bis auf ihr nacktes Steingerüst verwittert sind.
 

Aufbauen
Die Menschen begannen vor etwa sechseinhalbtausend Jahren, Steine zu bewegen und sie aufzurichten. Trotz aller Theorien zu den Beweggründen dieser Arbeit, gibt es bis heute nur wenig Beweise für die wirklichen Gründe, die die Menschen damals bewog, Steine, die zum Teil mehr als 150 Tonnen wiegen, aufzurichten und in Ensembles zusammenzustellen.
Dolmen und Cairns waren zweifellos Begräbnisstätten, doch einzelne Menhire, Menhirreihen oder kompliziertere Anordnungen geben ihren Zweck nicht so leicht preis. Stonehenge, das offensichtlich als eine Art Observatorium diente, kann auch wenig zur Deutung beitragen, da es wesentlich jünger ist und mit den Steinzirkeln der Bretagne somit nur wenig zu tun hat.
Vieles an den Bauwerken hat mit dem Himmel und den dort sichtbaren Ereignissen zu tun. Sie sind fast immer ausgerichtet nach bestimmten Punkten, die zumeist mit dem Lauf der Gestirne zu tun haben: dem Ort des Aufgangs oder Untergangs von Sonne oder Mond während bestimmter Tage im Jahr wie Mittsommer oder Sonnwenden.
Doch das sagt nichts weiter aus, als dass für die Menschen damals  Sonne und Mond schon Dinge waren, denen eine Art Göttlichkeit zugesprochen wurde. Tausende Jahre später errichteten die Menschen immer noch Kirchen, deren Eingang oder Altar oder Krypta zur Richtung des Sonnenaufgangs zeigte.

Für die Menschen der damaligen Zeit waren gewaltige Anstrengungen nötig, die Megalithendenkmäler zu errichten. Der Antrieb, so etwas zu schaffen, muß also dementsprechend groß gewesen sein. Somit kommen entweder tiefer Glaube oder großes Imponiergehabe in Frage.
Zweifellos war einer der Gründe, soetwas zu tun, auch ganz einfach die Tatsache, dass es machbar war.
 


Die Frage, warum Menschen die großen Steine aufrichteten und in Formationen zusammenstellten, beschäftigt die Menschheit seit langem.
Da keine Dokumente aus dieser Zeit überliefert sind und viele Zeugnisse von damals später zerstört wurden, war man seit alters her auf Spekulationen angewiesen. Ein Problem bei der Deutung der Steine besteht darin, dass es - vor allem dem modernen - Menschen anscheinend nicht möglich ist, objektiv über die Handlungen dieser Vormenschen nachzudenken. Der primitive Mensch, Urvölker und im Urwald verborgene Stämme lösen im Menschen stets romantische Gedanken aus, lassen mystische Bilder entstehen und erschweren so einen vorurteilsfreien Blick auf die Dinge.

Der erste und wichtigste Grund, warum die Menschen der Megalithenkulturen die Steine aufrichteten ist der, dass sie es konnten. Es war ihnen möglich. Sicherlich war der erste Stein, den der erste Mensch aufrichtete, nicht groß; ganz bestimmt haben die Menschen lange Zeit ihre Kultstätten aus Steinen errichtet, die leicht handzuhaben waren.
Aber der Mensch strebt immer nach höherem und so wurden die Steine größer. Die Baumeister der Zeit überlegten sich, wie sie es schaffen könnten, immer größere Steine aufzubauen. Und sie kamen auf die Lösung. Deswegen richteten sie die Steine auf: Sie konnten es. Hätten sie damals gewusst, wie man Kirchen baut, hätten sie das gemacht.

Der Mensch ist immer bestrebt, Ordnung in seine Umwelt zu bringen. Er ordnet die Dinge an, wie er es für richtig oder für ästhetisch hält. Deswegen wurden die Steine nicht an ihren ursprünglichen Orten belassen. Der Mensch wollte sich über die Natur stellen, indem er die Steine ordnete und so der Natur zeigte, wie sie es hätte besser machen können.

Menschen sind auch immer bestrebt, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Sie markieren die Stellen, an denen sie ihre Toten begräbt, sie setzten Zeichen an Orten, wo sie göttliche Kraft vermuten - weil dort etwas wundersames geschehen war oder weil dort eine Quelle entsprang.

Menschen wollen immer weiter. Deswegen wurden die Steine immer größer. Deswegen gab es immer neue Formen. War ein großer Stein aufgerichtet, hatte man das Ziel erreicht. Es galt nun, ein neues Ziel zu finden, um sich selbst weiter zu beweisen. Das neue Ziel war ein größerer Stein - oder mehr Steine.
Hat ein Mensch einen großen Stein aufgebaut, möchte ein anderer Mensch einen größeren hinstellen. So landet man irgendwann bei Megalithen.

Der Mensch betet immer Götter an. Und er will diesen Göttern seine Untertänigkeit zeigen, indem er ihnen große Dinge widmet. Dinge, die ihn viel Anstrengung gekostet haben, Dinge, die für den Menschen großartig sind, da sie aus der Natur herausragen.

Der Mensch interessiert sich für Phänomene, die um ihn herum vogehen. Er beobachtet sie, dokumentiert sie und will sie verstehen und vorhersagen. Dazu braucht er geeignete Instrumente und Beobachtungsstätten. So entstehen Steinreihen, die nach bestimmten Ereignissen am Himmel ausgerichtet sind. . 



 
 Abbauen
Nach der Invasion der Völker der Bronzezeit zwischen 1800 und 1500 v. Chr wurden eine Vielzahl der megalithischen Denkmäler zerstört oder anderen Verwendungen zugeführt. Diese Völker löschten damit eine Kultur und eine Religion aus, die seit etwa 2000 Jahren in diesem Gebiet vorherrschten.
Damit ist es nicht verwunderlich, dass wir heute so wenig darüber wissen. Als 1000 Jahre nach der ersten Invasion die Kelten das Gebiet besiedelten, setzten sie dieses Werk fort: Weitere megalithische Denkmäler wurden geschliffen.
Das Wissen um die Herkunft der großen Steine war nun längst verschwunden und so rankten sich immer mehr Sagen und Legenden um sie herum. Die Bretonen glauben zu wissen, dass in den Steinen Kräfte wohnen, dass sie heilen können und dass sie vor allem Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau haben. Jeder Stein hat seinen eigenen Zweck bekommen: Sie helfen bei Rheuma, wenn man sie berührt, sie schützen das Vieh, wenn man ihm die Steine zeigt oder sie machen fruchtbar, wenn die Frau sich dem Stein in eideutigen Posen nähert und ihn berührt.
Unter anderem diese Praktiken waren es, die der Kirche missfielen. Im 5. Jahrhundert erließ Papst Theodosius II. ein Edikt, das heidnische Bräuche untersagte, die vor allem bei den Völkern des romanischen Westens noch tief verwurzelt waren. Es folgten mehrere Konzilien (beginnend 458 in Arles), die die Bischöfe anhielten, „mit aller Kraft“ gegen heidnische Bräuche vorzugehen. Auf dem Konzil von Nantes fassten die Geistlichen den Beschluss, die Megalithen nicht nur zu schleifen, sondern sie auch noch tief zu vergraben, um sie damit dem Tageslicht und den Gebräuchen des Volkes zu entziehen.
Was nicht zerstört wurde, wurde zumindest vereinnahmt. Viele der Menhire wurden christianisiert, das heisst, mit einem Kreuz und einer neuen Fama versehen. Die riesigen Menhirfelder von Carnac zum Beispiel sind demnach folgendermaßen entstanden: Der Heilige Cornelius, Papst im 3. Jahrhundert, musste seinen Amtssitz wegen einer der zahlreichen Christenverfolgungen verlassen und war in die Bretagne geflohen. Gejagt wurde er durch ganz Gallien von einer kompletten römischen Legion. Am Meer angelangt, wandte sich der gute Mann um und schleuderte seinen Bann gegen die Verfolger, die sodann alle zu Steinblöcken erstarrten. Heute weiht man dem Heiligen Cornelius Rinder und jeweils am 13. September werden die Tiere um die Steinreihen von Carnac herumgeführt.
Auch Karl der Große und Alfred der Große widmeten sich dem Kampf gegen die Steindenkmäler. Die neolithischen Bauwerke, die dann noch überlebt hatten, wurden teilweise als Steinbruch benutzt - wie der cairn von Barnenez.
 
 
 
 
 
 
 
 

Barnenez
 

In Barnenez findet sich der bekannteste und auch spektakulärste Cairn. Der Grabhügel ist 70 Meter lang und birgt elf Grabkammern in sich. Die Gräber weisen zur aufgehenden Sonne hin. C-14-Datierungen ergaben, dass die Anlage um 3750 v. Chr. errichtet wurde. 1954 wollte ein Unternehmer aus dem Ort den Cairn als Steinbruch nutzen und hatte auch schon begonnen, Steine an der Nordwestseite abzutransportieren, als sich die Präfektur einschaltete und dem Ganzen ein Ende bot.
Erst im Zuge dieses Raubbaus wurden die inneren Strukturen des Cairns entdeckt. Ein anderer, kleinerer Cairn, in der Nähe dagegen wurde im selben Jahr komplett abgetragen - seine Einzelteile landeten im Straßenbau.

Das gesamte Bauwerk von Barnenez ist 72 Meter lang und bis zu 25 Meter breit.
Er beinhaltet eigentlich zwei Cairns, die nacheinander angelegt wurden. Der erste Cairn liegt auf der meerabgewandten Seite, während der zweite, jüngere, zum Meer hin orientiert ist. Das Gefälle des Untergrunds machte eine etwas aufwendigere Konstruktion nötig: Die Seiten mussten mehr abgestützt werden, so dass ein treppenförmiger Eindruck des Bauwerks entsteht.
Es befinden sich insgesamt elf Grabkammern in dem Bauwerk, die, inklusive den zuführenden Gängen zwischen 7 und 12 Meter lang sind. Abgedeckt sind die Kammern entweder mit einzelnen oder zussammengefügten Granitplatten.
Die beiden Einzelcairns sind aus unterschiedlichen Materialien errichtet. Während der ältere Cairn überwiegend aus Dolorit gebaut ist, der sich in der Umgebung findet, besteht der jüngere aus Granit von der Insel Stérec.

   Plan des Cairn: In der Aufsicht  erkennt man die Lage der elf Grabkammern (A-J)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 zurück